Kultur : KURZ & KRITISCH

Sandra Luzina

TANZ

Satanische

Fersen

Jetzt, wo der „Tanz im August“ auf sein Ende zugeht, fahren wir alle zur Hölle und haben auch noch unseren Spaß dabei. In Hell , dem neuen Tanzstück von Emio Greco und Pieter C. Scholten , amüsieren sich alle zu Tode (HAU 1, noch einmal 31. August, 21 Uhr). An der Unterwelt hat sich seit jeher die Fantasie der Künstler entzündet, von Dante bis Woody Allen, der in „Deconstructing Harry“ in einer speziell für Autoren reservierten Hölle landet. „Hell“ zeigt eine Hölle, wie sie sich nur ein Choreograf vorstellen kann: Die attraktiven Sünder sind nämlich verdammt, ewig weiter zu tanzen! Der Abend beginnt als Disco-Inferno: Die Tänzer toben als aufgekrazte Gogos in Büßerhemd über die Bühne. Popsong reiht sich an Popsong: Greco treibt es bewusst bis zu dem Punkt, wo es nur noch nervt. Ein blinkendes Tor illuminiert die Bühnenunterwelt, der kahle Beckett- Baum und der R2-D2-Druide aus „Star Wars“ ergeben ein apartes Höllen-Design. Greco wandelt auf den Spuren Dantes: Er mischt sich unter die Sünder. Wird zum dämonischen Tanzmeister in Schwarz, der sein listiges Dekonstruktionswerk beginnt. Eine wütende Energie sprengt die Formen auf. Drill wird zu Durchhaltewillen, der sich gegen die Körper kehrt. Die quälenden Exerzitien gipfeln in einem überspannten Nacktballett zu Beethovens Fünfter. Schönheit bedeutet Schmerz: man hat schon schlimmere Bühnen-Martern gesehen. Aber die Verdammten tanzen höllisch gut – allen voran Emio Greco mit seinen satanischen Fersen.

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