Kultur : KURZ & KRITISCH

Ulrich Pollmann

KLASSIK

Klangfülle,

einfarbig

Letzte Fragen, Religiöses, der Tod – darum dreht sich in diesem Jahr vieles beim Musikfest Berlin . Dass das auch ermüdend werden kann, zeigt das Huelgas Ensemble in der Philharmonie mit der Darbietung der 1594 entstandenen Petrustränen „Lagrime di San Pietro“ von Orlando di Lasso: Klagemusik, der die Schärfe der Frührenaissance schon fehlt, die aber auch die Frische barocker Affektsprache noch nicht kennt. Langsam, gleichförmig tröpfeln die acht Nummern dahin.

Die zweite Hälfte des Abends entpuppt sich dann allerdings mit der Uraufführung von Wolfgang Rihms „Vigilia für sechs Stimmen und Ensemble“ als ein Höhepunkt des Musikfests. Auch hier ist die Thematik ernst. Rihm vertont Liturgisches zur Karwoche, und sein Stück dehnt das Konzert endgültig auf Rekordlänge. Aber wie! Das macht ihm so schnell keiner nach. Er verwendet für das siebenteilige Werk im Grunde wenige Elemente, das Stück hat viel Monochromes. Das fabelhafte sechsköpfige Ensemble Singer Pur singt ungemein schwer zu intonierende Choralsätze, im Gestus traditionsgesättigt und doch nie historisierend. Die zehn Musiker der musikFabrik unter der Leitung von Stefan Asbury fügen kantige Interludien und Kommentare hinzu. Rihm sucht nirgends Kontrast oder Entwick lung seines Materials und schafft doch durchgehend Spannung mit immer wieder überraschenden Wendungen. Faszinierend, wie er die Konzentration des Hörers auf den Klang zu lenken versteht und dadurch die Illusion von enormer Klangfülle schafft. Langer Applaus für den Meister.

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