Kultur : KURZ & KRITISCH

Kai Müller

PERFORMANCE

Kauderwelsch

im Magazin

Ein alter Mannschaftswagen der Polizei hängt kopfüber im Schacht des Magazins der Staatsoper . An dem gestürzten Gefährt klettert Performance-Künstler John Bock herum. Er schreit gegen den Lärm einer Rockband an, ruft unverständliche Befehle, Verwünschungen. Der Wagen ist ein Schiff, die „Medusa“, die 1816 vor der Küste Afrikas sank. „So ’n Schietkram an der Ackerfront“, ruft Kapitän Thomas Loibl, „wir glitschen ab.“ Neben ihm keift Anne Tismer und ruckelt und zuckelt am Armaturenbrett: „Frustriere deine Angst durch Dünnpfiff.“ Und das Chaos nimmt seinen Lauf. Was als Gleichnis auf das Zerbrechen gesellschaftlicher Ordnungen angelegt ist, glitscht tatsächlich bald in Gefilde ab, die nur als Parodie auf billige Horror- und Katastrophenfilme einen gewissen Witz entfalten. Die Akteure von John Bocks Medusa im Tam Tam Club inszenieren sich als hitzige Überlebensartisten, ständig stopfen sie sich irgendetwas in den Mund (Kannibalismus), aus dem ansonsten nur unvernehmliches Kauderwelsch dringt. Fantasiepuppen werden zerrissen; Zahnpasta, Schlagsahne und neongrünes „Slime“ geben sich der Schwerkraft hin. Eine „Revolution der Totgesagten“ wird da behauptet (wieder heute und morgen um 20 Uhr sowie am 30. September um 18 Uhr 30). Doch Angesichts des anderthalbstündigen Verwurstungsspektakels, stellt sich die Frage, was die Annäherung von Kunst-Performance und Theatergebaren bringt? Man wohnt einer Theatralisierung um ihrer selbst willen bei. Das ist so ermüdend.

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GARTENKUNST

Labyrinth

im Hinterhof

Selbst das größte Projekt der diesjährigen „Gartenwelten“ kokettiert noch mit seinem Westentaschenformat: der Pocketpark von Röntz Landschaftsarchitektur am Köbis-Dreieck. Dabei bietet auch der kleinste Hinterhof genügend Raum für eine anspruchsvolle Gestaltung. Das zeigen die zehn Projekte, die der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten unter dem Titel „Verborgene Orte in Berlins Mitte“ in der BDA-Galerie vorstellt (Mommsenstraße 64, bis 21. September). Es ist ein reizvoller Ausflug in Berliner Gärten der letzten Jahre, die dem Publikum sonst verschlossen sind. Dabei fällt die architektonische Struktur der ausgewählten Hofgärten auf. Etwa in der Hannoverschen Straße 2, in der Klaus Peter Hackenberg den Hof in schmale Streifen gegliedert hat – Platz zum Spielen und Sitzen. Artifizieller wirkt der Garten von Häfner/Jimenez im Spreekarree, wo sich Pflanzbeete zu einem Labyrinth zusammenfügen. Am 16. und 17. September öffnen sich die verschlossenen Tore zu den ansonsten verborgenen Gärten (Infos: www.bdla-bb.bdla.de). Jürgen Tietz

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