Kultur : KURZ & KRITISCH

Daniel Völzke

RAP

Rosen

für das Publikum

Bevor er die Bühne der Columbiahalle erklimmt, sieht man einen Werbeclip. Auf der Leinwand ein Mann, der badet, singt, kämpft. Dazu Attribute wie „Fighter“, „Lover“, „Entertainer“ – schließlich leuchtet ein „Legend!“ auf. Aufs Stichwort erscheint LL Cool J leibhaftig, geboren aus Blitz und Donner wie eine Frankenstein-Schöpfung. Steht da und rappt sofort los. Als müsse er noch etwas beweisen. Dabei veröffentlicht James Todd Smith, wie LL bürgerlich heißt, seit 22 Jahren Alben. Doch auf deutschen Bühnen stand er noch nie. Vielleicht reiht der Rapper deshalb Klassiker aneinander, anstatt sein aktuelles, in Deutschland – zu Unrecht – völlig untergegangenes Album Nr. 12, „Todd Smith“, vorzustellen. Begleitende Best-of-Videoclips gestatten ein Urteil über das Auftreten des beinahe 40-Jährigen: Der Star sieht besser aus denn je und leckt sich noch immer die Lippen (sein Markenzeichen). Ausgesuchte weibliche Fans dürfen mit Ladies Love Cool James tanzen, er verteilt Rosen, bei härteren Stücken rotieren Blaulichter. Alles sehr unspektakulär, ein wenig Wohnzimmer, ein wenig Fitnessstudio, kaum Straße. Nachdem er die Bühne verlassen hat, schiebt er aus dem Off nach: „Ich arbeite an einem neuen Album.“

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ARCHITEKTUR

Säulenpracht

für Budapest

Säulenpracht und Stuckdekor prägen bis heute die Architektur Budapests. Ähnlich wie in Berlin entstanden dort im späten 19. Jahrhundert neue Bauten für neue Bauaufgaben – vom Bahnhof bis zum Parlament. Es war ein Schwelgen in Stilen vergangener Epochen, Neogotik, Neorenaissance, Neobarock. Einen Eindruck von dieser Pracht vermittelt die Fotoausstellung Aspekte des ungarischen Historismus , die das Deutsche Kulturforum östliches Europa zeigt („Im Güldenen Arm“, Potsdam, Herrmann-Elflein-Str. 3, bis 29. Oktober). Berlin galt als Orientierungspunkt für die ungarischen Architekten. Etliche studierten an der Spree, auch fanden preußische Baumeister den Weg nach Budapest. So entwarf Stüler die ungarische Akademie der Wissenschaften. Ihre Bauausführung 1862/65 lag allerdings in den Händen der einheimischen Architekten Antal Szkalnitzky und Miklós Ybl. Beide gehörten zu den führenden Baumeistern ihrer Stadt. Während Ybl am Schloss und der Erweiterung der Stephans-Basilika arbeitete, verwirklichte Szkalnitzky das Hauptzollamt und die Universitätsbibliothek. Als Höhepunkt aber gilt das neogotische Parlamentsgebäude, das Imre Steindl am Ufer der Donau errichtete. Sein Vorbild stand in diesem Fall nicht an der Spree – sondern an der Themse. Jürgen Tietz

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