Kultur : KURZ & KRITISCH

Ulrich Pollmann

KLASSIK

Pointilismus

mit Geige

Gibt es buddhistisch inspiriertes Dirigieren? Eine fernöstliche Mixtur aus Konzentration, Willensüberwindung und blindem Vertrauen? Von Kimbo Ishii-Eto jedenfalls lässt sich Gelassenheit lernen. Denn selten hat man einen Dirigenten so entspannt sein Orchester streicheln sehen wie den gebürtigen Taiwanesen, der seit kurzem Kapellmeister des Orchesters der Komischen Oper ist. Ishii-Eto vermittelt die Gewissheit, dass sich die Dinge schon fügen werden, wenn man ihnen nur ihren Gang lässt. Im zweiten Sinfoniekonzert dieser Saison in der Komischen Oper stand ihm ein passender Partner zur Seite, denn auch Geiger Dmitri Sitkovetsky ist nicht von der auftrumpfenden Art. Er betont in Prokofjews zweitem Violinkonzert die lyrischen Seiten. Frappierend, fast schon entrückend wiederum, wie präzise das Orchester die heiklen Pizzikati im zweiten Satz in die Luft tupft. Danach gibt Sitkovetsky in seiner Zugabe, einem langsamen Bach-Satz, noch ein kleines Lehrstündchen in zarter, auf feinsten Klang ausgerichteter Geigenkunst.

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