Kultur : KURZ & KRITISCH

Volker Lüke

ROCK

Es lacht

der Mönch

Die Geschichte der Monks ist kaum zu glauben: Fünf amerikanische GIs treffen in Deutschland auf zwei Avantgardisten aus der Kunstszene, lassen sich Mönchstonsuren scheren und entwickeln eine Musik, die radikal alles in Frage stellt. 1966 wird mit „Black Monk Time“ ihr einziges Album veröffentlicht. Seitdem gilt die Band als Wegbereiter von Punk und Techno, wie der wunderbare Dokumentarfilm „The Transatlantic Feedback“ erzählt, der in der Volksbühne gezeigt wird, bevor die Kultband nach 40 Jahren wieder eine deutsche Bühne betritt: drei Original-Monks, ergänzt durch zwei Ersatzleute – für einen Trip zurück in den Sechziger-Jahre-Rock’n’Roll.

Mit monoton gehackten Beats, Schepperbanjo, Quietscheorgel und Gitarrenfeedback: „It’s Beat Time! It’s Monk Time!“ Im Gegensatz zu Velvet Underground waren die Monks immer eine Hillbilly- Comedy-Band. Auch heute steht der Spaß im Vordergrund, wenn sie ihren alten Sound zelebrieren und Mark E. Smith von The Fall für einen Song auf die Bühne stolpert. Kurz droht die Veranstaltung in Klamauk abzukippen, ansonsten Verbeugung für eine Band, die mit einer ausbalancierten Geräuschorgie ihr Überleben feiert.

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KUNST

Es schweigt

das Meer

Von „Übersetzung“ hatte Walter Benjamin eine eigentümliche Auffassung. „Das Wort Gottes schimmert durch die Magie der Dinge“, schrieb er 1916. Und was „spricht“ aus Kunstwerken? Welche Bild- qualitäten stecken in Texten? Wie ein Essay funktioniert die Ausstellung Übersetzung. Text als Bild im Hamburger Bahnhof (Invalidenstraße 50-51, bis 7.1., Di-Fr 10-18, Sa 11-20, So 11-18 Uhr). Neben vier zeitgenössischen Konzeptkünstlern ist in der Ausstellung auch der Belgier Marcel Broodthears (1924 – 1976) zu sehen, nach Duchamp und Magritte der klassische Pendler zwischen Text und Alltagsobjekt. Schwarzglänzende, fest verschlossene Miesmuscheln ruhen in einer Holzkiste: Es schweigt der Meeresgrund. Umso schwatzhafter geht der Berliner Eran Schaerf ans Werk. Seine Dia-Installation „Scenario Data # 41“ treibt mit falschen Pressemeldungen und im Raum kreisenden Zeitungsbildern ein Blindekuhspiel: Angeblich haben Palästinenser israelische Soldaten verkörpert, bei einer Performance im Israelischen Museum. Spinnt hier womöglich der Übersetzungscomputer der Presseagentur? Möglich wär’s. Jens Hinrichsen

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