Kultur : KURZ & KRITISCH

H. P. Daniels

POP

Auf der Luftgitarre

Musiker, die berühmtere Musiker kopieren, sind schwer in Mode. Unzählige Abbas, Elvisse, Pink Floyds fleddern die Vergangenheit der Originale. Gut 25 Jahre ist der amerikanische Hendrix-Fledderer Randy Hansen in diesem Geschäft tätig. Nicht nur er, auch das Publikum im Quasimodo scheint zu glauben, Hendrix sei auferstanden. Dabei wirkt Hanson wie eine Parodie im Hendrix-Kostüm: großer Hut mit Federn, knallbuntes Hemd, klunkerndes Medaillon. Die Fans toben, alte Männer spielen Luftgitarre. Randy spielt die Stratocaster mit den Zähnen, drückt die Saiten auf der Kopfplatte hinterm Steg, jault mit dem Wimmerhaken, hebt den rechten Arm dramatisch, während er mit der Linken weiterspielt. Genau wie Hendrix. Irrtum. Für wie echt das Publikum diesen Ersatz-Jimi auch halten mag, es gibt Unterschiede: Hendrix hatte seinerzeit etwas Neues geschaffen. Körper, Gitarre und Geist verschmolzen bei ihm zur Einheit. Und er betörte mit schüchternem Charme. Hansens uninspiriertes Gedudel, begleitet von einer polterigen Rhythmusgruppe, wirkt dagegen wie Kasperletheater.

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ARCHITEKTUR

Im Spielzeugauto

Ausgerechnet der Porsche bewegt sich nicht. Das Spielzeugauto in der Präsentation des Stuttgarter Porsche Museums von Delugan Meissl Architekten ist festgeklebt. Als umso dynamischer erweist sich die Architektursprache, die das Wiener Duo Elke Delugan Meissl und Roman Delugan beim Automuseum anwendet. Unter dem Titel inTENSE repose zeigt das Paar seine Arbeiten in der Galerie Aedes am Pfefferberg (Christinenstr. 18-19, bis 9. 11., Di-Fr 11 bis 18.30 Uhr, Sa-So 13 bis 17 Uhr ). Die futuristische Tischinstallation, aus der die Modelle wie UFOs herauswachsen, zeigt die Vielfältigkeit der neuen Räume. Dort sind Bildschirme eingelassen, die den Besucher mit Informationen versorgen. Etwa zum Townhouse Wimberggasse mit seinem artifiziellen Fassadenmuster, das sich an der Rückseite in eine bewegte Rampenlandschaft auflöst. Der Raum scheint zu fließen. Da ist der Weg zur gebauten Plastik nicht mehr weit. Das Amsterdamer Filmmuseum wirkt wie gefaltet. Manchmal allerdings wirkt die exaltierte Bewegung grotesk – etwa beim Apartmenthaus Paltramplatz in Wien, dessen allzu aufgeregt durchbrochene Verdachung bloß Lochblechcharme besitzt. Jürgen Tietz

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