Kultur : KURZ & KRITISCH

Jens Hinrichsen

KUNST

Die Hose platzt

Umzingelt von Zerrbildern seiner selbst, wirkt Napoleon bedrückt. Freilich tritt er nicht persönlich auf, sondern ein Silikon-Kaiser, wie der zeitgenössische Künstler Remie Bakker ihn sich 1814 kurz vor der Abdankung vorstellt. Anders als im Liebermann-Haus dreht sich die Karikaturenausstellung der Kunstbibliothek nicht allein um den Staatsmann mit Dreispitz, sondern um Napoleons neue Kleider , so der Ausstellungstitel (Matthäikirchplatz 6, bis 7. 1., Di-Fr 10-18, Sa / So 11-18 Uhr, Kat. 29,50 €). Ein papiernes Kleidersortiment für den als nackter „korsischer Teufel“ dargestellten Bonaparte gehört dazu.

Der Weimarer Verleger Friedrich Justin Bertuch brachte zwischen 1798 und 1815 die Zeitschrift „London und Paris“ heraus. Die darin veröffentlichten Karikaturen aus beiden Städte führten zu einem Aufleben „nationaler Spottkultur“ auch in Deutschland. Zu sehen sind nicht nur die Nachstiche für „London und Paris“, sondern auch Original-Radierungen. Ungekrönter Karikaturenkönig aus England war James Gillray, der nicht nur „Germans Eating Sour Krout“ (1803) verunglimpfte, sondern auch zu einer deutschen Napoleon-Karikatur von 1814 inspirierte. Statt eines anonymen Engländers wie bei Gillray anno 1802 wird hier Bonaparte zum Versuchskaninchen eines „Knallgasexperiments“ mit hosensprengendem Feuerstrahl.

ARCHITEKTUR

Die Küche schwebt

Platz ist in der kleinsten Hütte, so ein Sprichwort. Doch was tun, wenn selbst die Hütte fehlt? Dann hilft das Raumlabor Berlin mit seinem Küchenmonument. Eine transportable Blechskulptur, aus der sich eine aufblasbare transparente Raumblase hervorwölbt. Egal ob unter eine Bahnbrücke oder dramatisch drapiert am Seeufer, egal ob Party oder Festessen, die Nutzungen sind variabel. Zusammen mit sechs weiteren Projekten steht die Raumplastik für Tendenzen des zukunftsfähigen Bauens , dem sich die BDA-Galerie widmet (Mommsenst. 64, bis 21. Dezember, Mo , Mi , Do 10 – 15 Uhr).

Darunter befindet sich auch das ehemalige Toilettenhäuschen am Waterloo-Ufer: Rentschler Nailis Architekten haben es zum Veranstaltungsort gemacht mit wechselndem Farbgewand nach Entwürfen von Friedericke Tebbe. Spree2011 stellt mit seinen „Badeinseln“ eine Lösung vor, wie die Spree badefähig werden kann. Tanks am Ufer sammeln das Abwasser aus der Kanalisation, das ins Klärwerk geleitet wird, statt in den Strom zu fließen. Auf den Kunststofftanks entstehen Bade-Cointainer. Ein Pilotprojekt startet im kommenden Sommer. Jürgen Tiet z

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