Kultur : KURZ & KRITISCH

Sybill Mahlke

KLASSIK

Zweimal

Posthorn

Die „Neunte“ hat seit Beethoven ihre Magie. Inbegriff der Klassik, geliebt und bespottet, branchenüblich dem hohen Fest zugeordnet. Die Romantik setzt diese Ästhetik des Erhabenen fort. So erwartete die Sowjetunion von Schostakowitschs neunter Symphonie 1945 jedenfalls Pathos. Der Komponist aber bevorzugt die Kategorie der Anmut, eine Reflektion Haydn‘schen Geistes. Am Pult der Berliner Philharmoniker interpretiert Sir Charles Mackerras die klassizistische Musik, indem er auf seine agile Weise Witz und Ironie betont. So zeigt die Interpretation, dass die Überraschungen des Stückes nicht altern. Zumal wenn auf das singende Fagott Stefan Schweigerts schweres Blech antwortet (noch einmal heute). Der Postmann kommt in diesem Monat doppelt in die Philharmonie. Denn Sir Neville Marriner hat für sein Mozartprogramm mit dem DSO (17. und 18. November) dasselbe Werk vorgesehen, das jetzt Mackerras mit Nonchalance ausbreitet: die „Posthorn-Serenade“. Britische Koinzidenz!

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PERFORMANCE

Dreimal

Leben

Brighton ist bereit, auch Berlin. Nur in Groningen tut sich nichts. Ein wenig erinnert die Internet-Livestream-Performance The Other Is You an „Spiele ohne Grenzen“. Das HAU hat für das von der britischen Station House Opera ersonnene Experiment die Club-Galerie WestGermany besetzt (bis12. 11.). Popästhetisch ein Flashback: schwarze Kritzeleien auf weißen Kacheln. Was in der ehemaligen Arztpraxis eigentlich gespielt wird, ist unklar. Auf drei Leinwänden sieht man Live-Projektionen aus den drei europäischen Städten. Von jeder Mini-Szene gibt es drei Versionen: drei Varianten einer Lovestory. Ist Berta von Anton angeödet, macht sie sich an Aldo in Brighton ran. Schießt Bernadette auf Aldo, kippt einer in Berlin um. Eine mediale Spielerei, so harm- wie folgenlos. Sandra Luzina

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