Kultur : KURZ & KRITISCH

H. P. Daniels

POP

Gleichförmig

gefühlvoll

Stuart Staples wirkt etwas fülliger seit seinem letzten proppenvollen Konzert mit den Tindersticks. Mäßiger gefüllt ist diesmal der kleine Saal des Postbahnhofs. Staples hängt sich die Akustikgitarre um und singt. Sein dunkler Bariton scheint noch tiefer geworden zu sein, und seine Fans scheinen noch mehr zu rauchen als früher. „Genießt es, solange ihr das noch dürft“, wispert Staples und haucht eine rauchige Soulballade. Und weitere Songs seiner beiden Soloalben „Lucky Dog Recordings“ und „Leaving Songs“. Elegische Lieder über gescheiterte Liebschaften, Trennungen, Aufbrüche. Hatte Staples zu den letzten Konzerten der Tindersticks noch ein voluminöses Streichorchester auf der Bühne, beschränkt er sich diesmal auf ein kleines Ensemble, das ihn und seine nasal vibrierende Stimme einhüllt in einen molligen Soundteppich. Dicht gewebt vom Pianisten-Organisten David Boulter und dem Linkshänder-Gitarristen Neil Fraser, den ehemaligen Tindersticks-Mitstreitern. Vielleicht waren die Songs der Tindersticks etwas abwechslungsreicher als Staples’ Solo- Œuvre, dessen schläfrige Gleichförmigkeit auf Dauer den Eindruck hinterlässt, alles stünde in derselben Tonart, demselben Tempo und demselben stimmlichen Ausdruck. Und gefühlvolle achtzig Konzertminuten werden zu gefühlten drei Stunden.

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