Kultur : KURZ & KRITISCH

Matthias Nikolaidis

KLASSIK

Nachrichten aus der

Herzkammer

„So ganz jung sind die jungen Tenöre auch nicht mehr“, ein passenderes Bonmot hätte man kaum finden können für diese Gala zum neuen Jahr im Konzerthaus . Denn die Konzertserie der Volkssolidarität, selbst ein Klassiker unter den Berliner Festkonzerten, setzt ganz auf Tradition und eine bewährte Dramaturgie aus Opern- und Operettenarien. Klassisch ist auch die Bespielung durch das Filmorchester Babelsberg unter Manfred Rosenberg, der bereits seit 1967 an der Spitze des Vorgänger-Klangkörpers bei der DEFA stand. Otto Nicolais „Mondaufgang“ beginnt dank dem Berliner Konzert-Chor zwar stimmungsvoll, zerfließt Rosenberg aber zuletzt etwas unter den Händen. Manuela Bress empfängt darauf mit der Arie der Eboli ein wahrhaft „fatales Geschenk“. Wohl merkt man ihrem leider indisponierten Mezzo dramatisches Gespür an, doch die eigentlichen Rampensäue dieses Abends sind einmal mehr Sopran und Tenor.

Ohnehin gelangt man erst mit dem zweiten Teil in die eigentliche Herzkammer des Konzerts. Denn im Operettenfach fühlen sich alle vier Sänger zweifellos am wohlsten. Dort kann die finnische Sopranistin Sarianna Salminen (nicht verwandt mit dem Wagner-Bass Matti) ihre Soubrettenkünste ganz ausspielen. Thomas Kiessling liefert sicher die beeindruckendste Leistung mit dem ewigjungen „Dein ist mein ganzes Herz“, indem er seine glühendsten Tenortöne ins Ende dieser zartschmelzenden Ich-gehöre- nur-Dir-Arie legt, während Bariton Egbert Junghanns treffsicher den Charakterbuffo Zsupán aus dem „Zigeunerbaron“ gibt.

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