Kultur : KURZ & KRITISCH

Jürgen Tietz

ARCHITEKTUR

Unter der

Klangdusche

Mit dem Kunsthaus Graz besitzt die steirische Hauptstadt ein markantes architektonisches Aushängeschild. Doch auch sonst gilt die Steiermark als Hochburg zeitgenössischer Architektur. Einen Überblick über die aktuelle Entwicklung präsentiert die Ausstellung Sense of Architecture des Architektur Laboratoriums Steiermark im Deutschen Architektur Zentrum (Köpenicker Straße 48/49, bis 28. 1.). So umfangreich ist diese ungewöhnliche Architekturschau geraten, dass sie in zwei Teilen nacheinander gezeigt werden musste. Auf vier frei im Raum hängenden Projektionsflächen sind dabei Film- und Fotosequenzen zu sehen, die der Künstler Heinz Emigholz angefertigt hat. Ergänzt um Glockenläuten und Vogelgezwitscher aus „Geräuschduschen“, erzeugen sie einen imaginären Stadtraum. Dank der leichten Schrägsicht, mit der Emigholz seine Motive aufnimmt, entsteht ein ungewöhnlicher Zugang zu den Häusern. Ausgestellt sind dabei Objekte, die in den letzten Jahren in der Steiermark entstanden sind oder von dort aus geplant wurden. Mit tiefer gehenden Erläuterungen hält sich die von Charlotte Pöchhacker kuratierte Ausstellung allerdings zurück. Was aber ist das typisch Steirische an den Bauten der „Grazer Schule“? Liegen doch zwischen den ruhigen Betonriegeln von Riegler Riewe oder den exaltierten Bauten der steirischen Alt-Stars Günther Domenig und Klaus Kada architektonische Welten. Eine sinnfällige Antwort auf diese Frage sucht man in dieser sinnlichen Ausstellung leider vergebens.

KLASSIK

Frösche

an der Alster

Lange Zeit hatte Georg Philipp Telemann in der Musikwelt keinen guten Ruf. Dabei war Telemann im frühen 18. Jahrhundert der bedeutendste deutsche Komponist, sein Marktwert war viel höher als der von Johann Sebastian Bach. Mit seinem „vermischten Geschmack“, der verschiedene Nationalstile miteinander kombinierte, traf er den musikalischen Nerv seiner Zeit. Erst von Barockensembles wie der formidablen Akademie für Alte Musik Berlin wird seine Musik auf historischen Instrumenten zu neuem Leben erweckt. Trockene Paukenschläge treffen bei der Ouvertüre in D-Dur auf einen geschärften Streicherklang, frisch und kraftvoll erklingt das „Jubeloratorium für die Hamburger Admiralität“. Bei der „kanonierenden Pallas“ aus der Alster-Suite feuern die Hörner aus allen Lagen, kratzende Streicher lassen die „konzertierenden Frösche und Krähen“ Wirklichkeit werden. Auch die übrigen Orchestersuiten auf dieser (bei Harmonia Muni erschienenen) CD werden von den Berliner Musikern so vital musiziert, dass man nicht nur den Humor bei Telemann neu entdeckt. Georg Rudiger

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