Kultur : KURZ & KRITISCH

H. P. Daniels

POP

Adler

oder Stein

Wie der Name schon vermuten lässt, sind die Eagles Of Death Metal eine lustige Band. Und so sehen sie auch aus: Frontmann Jesse Hughes wie ein drittklassiger Pornodarsteller, mit ölig zurückgewellten Haaren, Schnauzbart, Tätowierungen, Medaillon um den Hals und Pilotenbrille in den Haaren. Er schreit und hechelt und lächelt die Fans an: „Holy fuckin’ shit, this is beautiful!“ Und gickelt und gockelt über die Bühne, links und rechts, Sonnenbrille auf, Sonnenbrille ab. Rattert dabei zackige Achtel in die australische Maton-Gitarre, spreizt sich in lustigen Posen. Rockstargewese, Bizeps strecken, Fäuste recken. Und sie brettern den nächsten Song in den wabernden Postbahnhof . Eine aufgepulverte Garagenband, die aus Einflüssen der Seeds, der New York Dolls, MC5, Damned und Ramones ihre eigene Sache macht. Hochgeschwindigkeitspunk. Ein zweiter Gitarrist schleudert verwüstete Chuck-Berry-Riffs aus der Flying V. Ein Bassist grundiert mit abgeschabtem Fender-Bass den wüsten Sound und wirkt mit hängendem Schnäuzer und langen braunen Haaren unter schlapper Mütze wie ein bekiffter Cockerspaniel. Nur Drummer Josh Home, im Hauptberuf Frontmann der Queens Of The Stone Age, sieht halbwegs wie ein normaler Rockstar aus. Den alten Stealer’s- Wheel-Hit „Stuck In The Middle With You“ punken sie um zu „Stuck In The Metal With You“. Dabei haben die Eagles Of Death Metal mit Heavy Metal genauso wenig zu tun wie mit den Eagles. Eher mit den Stones. Deswegen spielen sie auch noch „Brown Sugar“.

KLASSIK

Alt,

aber glücklich

Die geistige Sommerfrische seines Moritzburger Kammermusikfestivals in winterliche Konzertsäle retten – das versucht Jan Vogler ziemlich erfolgreich mit seinem Moritzburg Festival on Tour . Es ist ein wahres All-Star-Ensemble, das der Solo-Cellist im Kammermusiksaal der Philharmonie aufbietet – unter ihnen zwei Stradivari-Geigen, die dazugehörigen jungen Stars Benjamin Schmid und Mira Wang sowie der Pianist Louis Lortie – der sich übrigens nicht zu schade ist, zu Luigi Boccherinis Gitarrenquintett die Kastagnetten zu bedienen. Doch nicht alles Entspannte ist gut. Die ersten Flageolett-Einlagen im Werk des Cellovirtuosen Boccherini lässt Vogler verwackeln; die Musiker finden zu keinem charakteristischen gemeinsamen Klang. Der stellt sich erst in der Streichseptett-Bearbeitung von Richard Strauss’ Metarmorphosen ein. Rundum überzeugend wirkt das dritte Alterswerk des Abends: César Francks Klavierquintett f-moll. Das Stück, das angeblich von Francks Liebe zu einer Schülerin inspiriert ist, bieten die Musiker mit einem so todernsten, aber immens kraftvollen, erfrischend herzhaften Selbstmitleid dar, dass man nur einen Wunsch hat: alt zu sein und unglücklich verliebt. Carsten Niemann

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben