Kultur : KURZ & KRITISCH

Sebastian Gierke

KUNST

Der Mensch, das

Pflanzenwesen

Es soll eine Zeit gegeben haben, in der Handeln und Erfinden ein und dasselbe waren. Wirklich. Damals, als die Natur selbst und nicht ihre Abbilder die Vorstellungen bestimmten. Doch aus dem Naturzustand ist der Mensch längst entlassen. Pflanzenhaftes Eingefügtsein? Keine Rede davon. Die Welt als Lebensraum ist bedroht, Menschen ziehen sich in virtuelle Realitäten zurück, der Körper wird zum Wunschbild. Doch er ist mehr als eine fest umrissene Erscheinung, mehr als ein abgeschlossenes Behältnis, das durch Konsumieren gefüllt wird, mehr als ein Bild, das narzisstischer Betrachtung dient. Er ist Teil der Natur, interagiert immer mit seiner Umwelt. Genau dies will die Ausstellung L’Homme-paysage (etwa: Körper-Landschaft) in der Villa Oppenheim zeigen (Schloßstr. 55, bis 15. 3.; Di.–Fr. 10–17, So. 11–17 Uhr). Sie versucht, die nur scheinbar getrennte Verbindung zwischen Körper und Natur wiederherzustellen. Übergänge, Verbindungen zum Mineralischen und Pflanzlichen werden präsentiert. Die Windungen der Gehirnrinde in Bronze (Pascal Convert), die zart hingetuschten Verästelungen der menschlichen Blutgefäße, die einen baumartigen Körper zeigen (Javier Pérez). Insgesamt 14 internationale Künstler haben sich des Themas angenommen, darunter bekannte Vertreter wie William Kentridge, Guiseppe Pennone und Dieter Appelt. Sie führen den Körper als Ort des Wechselspiels mit der Umwelt vor, zeigen, wo der Mensch herkommt und wohin er gehen muss. Eine Grenze zwischen Kultur und Natur wird negiert.

KUNST

Der Müll, das

Blumenstillleben

„Geiz ist geil“ verkündet der Werbeslogan eines Elektrogroßhändlers und will damit die Konsumschwelle weiter senken. Wie verlockend funkelnde Technikwelten mit ihren farbenfrohen Geräten selbst als Müll noch sind, führt die dänische Künstlerin Ane Mette Ruge im A trans Pavilion vor (Hof III, Hackesche Höfe, Rosenthaler Str. 40/41, bis 11. 3., Fr. bis So. 16–20 Uhr). Sie hat den Wohlstandsmüll malerisch drapiert fotografiert, um ihn anschließend auf quadratische Fliesen zu bannen. „Wer weiß schon, ob wir unseren Föhn freiwillig weggeschmissen haben, oder ob er nicht selbst beschlossen hat, uns zu verlassen?“, orakelt sie. Und obwohl es sich bei dem Föhn kaum um eine verzauberte Prinzessin handelt, zeigt Ruge, zu welch bildschönen Stillleben sich blaues Plastikrohr, alte Staubsauger und ausrangierte Computer fügen. Mit ihrer Installation aus Fliesen auf zwölf tischähnlichen Objekten holt Ruge den Zivilisationsschrott von den Müllhalden zurück ins Zentrum. Gerade diese Parallelwelten sind es, die Isolde Nagel im „A trans Pavilion“ mit ihrem Programm „a synchroni-city“ vorstellen will. Ane Mette Ruge jedenfalls entlockt dem Elektromüll eine sinnenfrohe Begehrlichkeit, die man in der geizigen Präsentation der Elektronikmärkte vergeblich sucht. Jürgen Tietz

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