Kultur : KURZ & KRITISCH

Christiane Tewinkel

KLASSIK

Wenn das Cello

mit dem Kontrabass

Zwei Bassinstrumente aufspielen zu lassen: riskant. Außerdem hat man schon inspiriertere Programmnotizen gelesen als jene Gegen-Null-Information, die es für diesen Abend in der Staatsoper gibt. Doch Sennu Laine und Esko Laine sind Könner, Solocellistin der Staatskapelle die eine, philharmonischer Kontrabassist der andere. Sennu nimmt das Wagnis auf sich, mit Bachs sechster Partita zu beginnen, vergeigt das Präludium zwar (vercellot es?), gelangt danach aber zur Ruhe, mit geradem, schlankem Ton und beiläufig mitgenommenen Doppelgriffen. Dieter Salberts „Saitenspiele“ lassen den Bass sich kantabel über, doch in Wirklichkeit natürlich unter dem fiependen Cello ausbreiten. Esko übernimmt danach mit der vorklassisch eingängigen Sonate Carl Friedrich Abels, und auch wenn es abgegriffen klingt: Sagenhaft, wie elegant so ein Kontrabass tönen kann und wie wohl es tut, dieses Ungetüm von Instrument so sauber bespielt zu hören. Mit der Uraufführung von Jukka Tiensuus „Ode“ – das Schaffen des 1948 Geborenen, ist zu lesen, sei „vielen, sehr verschiedenen Anregungen verpflichtet“ – geht es endlich zur Sache, schrammeln sich die Laines durch Akkordketten, beklopfen die Instrumente und walzen geigenhohe Glissandi aus.

KLASSIK

Wenn die Philharmoniker

mit den Problemkiez-Kids

Ganz ist die Botschaft der Philharmoniker mit ihren Workshops und Education-Tanzprojekten noch nicht in der deutschen Gesellschaft angekommen. Musikalisch euphorisierte Jugendliche schön und gut, doch wo und wie werden diese kreativen Prozesse, welche die aktive Beschäftigung mit Kunst auslöst, ins alltägliche (Berufs-)Leben weitergetragen? „Mehr Musik ... ?! – Neue gesellschaftliche Aufgaben für die Künste“ hieß ein Diskussionsabend in der Hamburger Landesvertretung . Elmar Lampson, Präsident der Hamburger Hochschule für Musik und Theater, gab ein Plädoyer ab, junge Musiker nicht mehr nur als Dienstleister innerhalb des Hochkulturbetriebs zu verstehen, sondern auf ihre Erfahrungen als „Spezialisten für Risiko“ und Unvorhersehbares auch in anderen Berufsbereichen zurückzugreifen. Gerade wirtschaftliche Führungskräfte, ergänzte Michael Hutter von der Wirtschaftsfakultät der Universität Witten/Herdecke, stünden täglich vor der Herausforderung, in kaum kalkulierbaren Situationen vorausschauende Entscheidungen zu treffen. Daher könnten Unternehmen von der Offenheit künstlerischer Kommunikation nicht minder profitieren als Jugendliche aus Problemkiezen. Matthias Nöther

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