Kultur : KURZ & KRITISCH

Ulrich Amling

KLASSIK

Lohn der

Liebe

Die Zeit der Buße ist gekommen: Alle, die ihr während des hinter uns liegenden Mahler-Zyklus der Staatsoper Daniel Barenboims heißes Herz und Pierre Boulez’ kühlen Kopf gepriesen, die Staatskapelle selbst gar neben die Berliner Philharmoniker gerückt habt – hört euch Mariss Jansons an und kehrt um! Denn was dem Letten am Pult der Philharmoniker mit Mahlers erster Symphonie gelingt, ist schlicht einzigartig. Seit 36 Jahren dirigiert Jansons die Berliner, nie stand bislang Mahler auf dem Programm. Er hat ihn sich mit zäher Liebe erarbeitet und spielt seine Musik jetzt mit einer zarten grandezza, die das Herz sehend macht. Jansons vereint die Naivität des immer Suchenden mit der Erfahrung des Profis, minutiöse Vorbereitung mit spiritueller Einsicht. Eine unwiderstehliche Mischung. Die Philharmoniker verehren ihn dafür und schenken an diesem Abend alles her: Trotz gewaltiger Aufschwünge lärmt es nie, alles atmet Weite, Begeisterung, Persönlichkeit. Ein Fest, nicht nur ein Festival. Strawinskys „Petruschka“ ist ein betörender Auftakt des Abends, der Jansons gereifte Kunst der Klangregie zum Funkeln und die Philharmoniker wunderbar zum Strahlen bringt (noch einmal heute, 20 Uhr).

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