Kultur : KURZ & KRITISCH

André Görke

POP

Volle Kanne

Schweiß

Weit nach Mitternacht tröpfelte es in den Innenhof des Kreuzberger Lido, und die Sportfreunde Stiller machten es sich endlich einmal gemütlich unter der Zeltplane. Schlagzeuger Florian Weber griff beherzt in seinen Mini-Bierkasten (natürlich „Augustiner Edelstoff“, echt bayrisch halt!), daneben stand Sänger Peter Brugger und kritzelte ein allerletztes Autogramm auf ein uraltes Trikot von Bayern München. „Hat Spaß gemacht“, sagte Brugger, „ist ein schön kleiner Club“. Am Schlesischen Tor hatten die Münchner am Montagabend vor knapp 400 Leuten zwei Stunden gespielt, in erster Linie die neuen Lieder des im August erscheinenden fünften Albums namens „La Bum“ – ein, sagen wir, gewohnt sportliches Werk mit eingängigen Texten. So war es auch angekündigt: „Volle Kanne SFS“, so das Motto – Sportfreunde Stiller pur, ohne Vorband, ohne Nationalmannschaft. Die Jungs alberten kräftig herum, sehr zur Freude all der anwesenden Kollegen wie Silbermond, Virginia Jetzt oder Thees Uhlmann von Tomte. Nach und nach kletterten die verschwitzten Fans auf die Bühne, und wer nicht gerade zum Stage Diving wieder abhob, schnappte sich mal eben das Mikro und grölte die Refrains der alten Lieder. Schön war’s. Ach, und nein: Die WM-Hymne „54, 74, 90, 2006“ haben sie nicht gespielt. Ging auch ohne – gut sogar. Wird ja auch Zeit. André Görke

ANTIKE

Volle Ladung

Marmor

Wenn die Götter Griechenlands mitspielen, müsste es im September so weit sein: Dann steht das neue Akropolis-Museum in Athen, gebaut vom Schweizer Architekten Bernhard Tschumi. Der Besucher wird den Blick durch eine Glasfassade auf die stattlichen Überreste des Parthenon-Tempels schweifen lassen können. Das Museum öffnet zwar erst Mitte 2008, aber bis dahin können Anlieferung und Restaurierung der Skulpturen von einer Publikumsgalerie aus verfolgt werden. „Wir schaffen Transparenz, um die Menschen für das Museum zu gewinnen“, verkündet Dimitrios Pandermalis, nachdem er jahrzehntelang für ein adäquates Antikenmuseum am Ort gestritten hat. Der Archäologe und Präsident der Organisation des neuen Museums hielt nun im Berliner Abgeordnetenhaus einen Vortrag. 130 Millionen Euro kostet das erdbebensichere, voll klimatisierte Haus. 3200 der insgesamt 14 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche sind für das Herzstück, den Parthenon-Fries, reserviert. Er wird möglichst originalgetreu präsentiert, umlaufend auf einem Riesenquader. Und mit einigen Repliken ergänzt. Die „falschen“ Reliefs werden allerdings zurückgesetzt und mit halbdurchlässigem Stoff abgedunkelt. „Keine erfreuliche Lösung, aber eine notwendige“, so der Archäologe, nach dessen Beschreibung der Parthenon-Fries wie mit Trauerflor präsentiert zu sein scheint. Das ist durchaus intendiert, denn die in London gehüteten fehlenden Teile kommen kaum nach Athen, da mag Pandermalis noch so sehr für eine Dauerleihgabe plädieren. Das British Museum hat erst im April klargestellt, dass es die „Elgin Marbles“ nicht einmal kurzfristig herausgeben will. Jens Hinrichsen

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