Kultur : Kurzmeldungen und Kulturnachrichten

PEN: Verfolgung von Schriftstellern nimmt weiterhin zu

31 Schriftsteller und Journalisten sind im ersten Halbjahr 1998 ermordet worden.21 weitere sind verschollen.Wie das PEN-Zentrum Deutschland anläßlich des morgigen "Writers-in-Prison"-Tages mitteilte, wurden in der ersten Hälfte des Jahres 658 neue Fälle von Verfolgungen registriert.Die Liste der Verfolgerstaaten wird von der Türkei angeführt, in der 204 Fälle erfaßt wurden, gefolgt von China mit 37 bekannten Fällen.Weltweit wurden 69 Autoren überfallen und 90 vorübergehend inhaftiert.Während 112 Autoren zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden oder ohne Urteil in Haft waren, gelang es in 59 Fällen eine Haftentlassung zu erreichen.Der iranische Autor Faraj Sarkuhi wies bei der Vorstellung des PEN-Berichtes in Frankfurt darauf hin, daß der britische Autor Salman Rushdie weiterhin ermordet werden könnte."Solange die Fatwa und das Kopfgeld aufrechterhalten werden, wird jeder überzeugte islamische Fundamentalist das durchführen wollen", sagte Sarkuhi, der im Januar durch westlichen Druck eine Ausreisegenehmigung aus dem Iran erhalten hatte.Selber Opfer von Haft, Folter und drei Scheinhinrichtungen, sprach sich der Autor dennoch für einen kritischen Dialog mit dem Iran aus, wobei die Kritik allerdings im Vordergrund stehen müsse. Tsp

Berlin: Anna-Seghers-Preis wird verliehen

Mainz (ADN).Der Bertelsmann-Verlag Gütersloh soll von 1933 bis 1945 eine Reihe von Nazischriften mit antisemitischen Inhalten verlegt haben.Wie das 3sat-Magazin "Kulturzeit" am Freitag berichtete, seien darunter Titel wie "Sterilisation und Euthanasie - ein Beitrag zur angewandten christlichen Ethik" (1933) und "Der kleine Kartechismus Dr.Martin Luthers für den braunen Mann" (1934) gewesen.Bis heute habe der Verlag darüber weitgehend geschwiegen.

Der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann-Buch AG, Frank Wössner, der am Dienstag in Berlin mit dem International Human Award der World Union for Progressiv Judaism ausgezeichnet worden war, will die bereits vor einigen Wochen in der Schweizer "Weltwoche" erhobenen Vorwürfe prüfen, berichtet das Magazin weiter.

"Kulturzeit" zeigte die von dem Zeitgeschichtler Herseh Fischer in der Deutschen Bücherei in Leipzig ausfindig gemachten Druckwerke.Bertelsmann hatte in eigenen Publikationen zur Unternehmensgeschichte bislang immer auf die Schwierigkeiten des Verlages während der Nazizeit hingewiesen und lediglich erwähnt, daß man damals auch Soldatenliteratur verlegt habe. cok/wsd

Der Filmkritiker Alberto Barbera ist neuer Leiter des Filmfests von Venedig.Barbera ist Nachfolger von Felice Laudadio, der nach zweijähriger Amtszeit überraschend am Ende des letzten Filmfests zurückgetreten war. AP

Michel Houellebecq, französischer Schriftsteller, ist für seinen umstrittenen Roman "Die Elementarteilchen" (Les particules elementaires) mit dem Prix Novembre ausgezeichnet worden.Der Preis ist mit 200 000 Franc (60 000 Mark) dotiert.Er gilt als kritische Alternative zum Prix Goncourt.Houellebecqs Roman erzählt die Geschichte zweier Halbbrüder, die von ihrer emanzipierten Mutter im Stich gelassen werden.Das Buch endet mit einer Zukunftsvision der Menschheit als Gemeinschaft glücklicher Klone.Manche Kritiker haben Houellebecq rassistisches und stalinistisches Gedankengut vorgeworfen.

Der Anna-Seghers-Preis der Berliner Akademie der Künste wird an den kubanischen Autor David Mitrani und die sorbische Autorin Roza Domascyna verliehen.Die Auszeichnung ist jeweils mit 15 000 Mark dotiert.

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