Kultur : Kurzmeldungen und Kulturnachrichten

Zwist in der Zunft

Die jüngste Kontroverse unter den deutschen Historikern betrifft die Vergangenheit des eigenen Faches: Das Engagement von Historikern für den Nationalsozialismus und das Schweigen darüber in der Nachkriegszeit.Es macht ihre Brisanz aus, daß sie vor allem von drei Historikern handelt, die in der Nachkriegszeit repräsentativ waren für ihre Zunft und für ihre Erneuerung standen: Theodor Schieder, Werner Conze und Otto Brunner.Schieder, seit 1952 Professor in Köln, vertrat in der Verbindung von Ideen-, Politik- und Sozialgeschichte ein liberales Bild der neueren deutschen Geschichte.Werner Conze, seit 1957 Professor in Heidelberg, hat vor allem die Wendung zur Sozialgeschichte befördert.Otto Brunner, gebürtiger Österreicher, war seit 1954 Professor in Hamburg; mit ihm verbindet sich eine einflußreiche Modernisierung der Verfassungs- und Sozialgeschichte.Sie alle waren hochrenommiert, ihre Bücher und Aufsätze bestimmten die Debatte für Jahrzehnte; Schieder und Conze waren Vorsitzende des Historikerverbandes - Schieder von 1967 bis 1972, Conze von 1972 bis 1976.Ihre Schüler besetzen einen guten Teil der Lehrstühle in der Bundesrepublik.Hans-Ulrich Wehler, der Kopf der Schule der Historischen Sozialwissenschaften in Bielefeld, ist einer der wichtigsten von ihnen.Die Vorwürfe, die junge Historiker erhoben haben, richten sich deshalb zumindest mittelbar auch gegen diese Historiker-Generation.Beim letzten Historikertag hat das zu einer heftigen Auseinandersetzung geführt; der Streit schwelt weiter. Tsp

Deutsch-polnische Buch-Verständigung

Der Generaldirektor der Staatsbibliothek in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Antonio Jammers, ist erfreut über eine mögliche Rückführung in Krakau liegender Unikate, die einst der heutigen Berliner Staatsbibliothek gehörten.Polens Präsident Aleksander Kwasniewski hatte die Rückgabe der Bücher und Autographen während seines Staatsbesuches in Berlin am Wochenende in Aussicht gestellt.

Während des Krieges wurden die wertvollsten Bestände der "Berliner Bibliothek" zum Schutz vor Bombentreffern nach Schlesien ausgelagert.Es handelt sich unter anderen um Autographen von Bach, Beethoven und Mozart.Diese Schätze gingen nach Kriegsende wegen der Westverschiebung der Grenzen in polnischen Besitz über, damit auch in konservatorische polnische Hände.Kwasniewkski legt insbesondere Wert darauf, daß diese Auslagerung in die Krakauer Jagiellonen-Bibliothek keinen Kunstraub darstellte, nie als bewußte Bereichung gedacht war, sondern dem Lauf der Geschichte unterlag.Generaldirektor Jammers begrüßt die auf politischer Seite eröffnete Diskussion um die Rückgabe des Kulturgutes.

Ein so klares und deutliches Wort wie das des polnischen Präsidenten, so Jammers zum Tagesspiegel, könne jetzt das schwierige Problem einer Rückführung einleiten.Jammers zeigte sich erfreut, auf einen "gemeinsamen Bibliotheksweg" des deutschen und polnischen Volkes zurückblicken zu können, denn gerade die Berliner Staatsbibliothek pflege mit den polnischen Institutionen Dialog und Austausch.Dies sei auch im Sinne der europäischen Verständigung zu begrüßen, sagte Jammers. Tsp

Der Komponist György Ligeti ist als assoziiertes Mitglied in die Pariser Akademie der Schönen Künste gewählt worden.

Die Bundesregierung will nach Angaben des thüringischen Kulturministeriums die Mittel für die Europäische Kulturhauptstadt Weimar um bis zu 13 Millionen Mark auf 29 Millionen Mark erhöhen.Damit wäre der Bund nicht mehr zu einem Drittel, sondern fast zur Hälfte am Veranstaltungsbudget des Kulturstadtjahres 1999 beteiligt.

Theaterautor Herbert Achternbusch, und die Autorin Maria Peschek erhalten den mit jeweils 10 000 Mark dotierten Ernst-Hoferichter-Preis 1999.

Der Schriftsteller Mario Giordano erhält den Hans-im-Glück Preis für Jugendbuchautoren der Stadt Limburg.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben