Kultur : Kurzmeldungen und Kulturnachrichten

Friedländer leitet Historikerkommission bei Bertelsmann

Der in Jerusalem lebende Historiker Saul Friedländer soll eine Historikerkommision zur Erforschung der Bertelsmann-Verlagsgeschichte im Dritten Reich leiten.Das teilte am Mittwoch der Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff in Gütersloh mit.Das Unternehmen habe Friedländer zugesichert, maßgeblichen Einfluß auf die personelle Besetzung der Kommission nehmen zu können, uneingeschränkten Zugang zu allen Firmenunterlagen zu erhalten und das Forschungsergebnis in eigener Verantwortung der Öffentlichkeit vorlegen zu können.Bertelsmann hatte sich vor wenigen Tagen bereiterklärt, eine umfassende Aufklärung über die Verlagstätigkeit in der Zeit des Dritten Reiches zu veranlassen.Zuvor waren Vorwürfe wegen nationalsozialistischer Publikationen im Bertelsmann-Verlagsprogramm der damaligen Zeit erhoben worden.Der 66jährige Friedländer lehrt als Professor für Geschichte an den Universitäten von Tel Aviv und Los Angeles.Im Oktober hatte er in München den Geschwister-Scholl-Preis erhalten. KNA

Potsdam präsentiert Goethe und die Frauen

Nach dem 17.Januar 1999 gibt es kein Zurück mehr, das Goethe-Jubiläumsjahr hat uns im Griff.An eben jenem Sonntagvormittag veranstalten der Aufbau-Verlag und das Hans-Otto-Theater Potsdam die erste von zehn Lesungen zum Thema Goethe und die Frauen.Sie stehen unter dem reizvollen Motto "Geh den Weibern zart entgegen" und finden im Hotel Adlon, im Potsdamer Hotel Voltaire und auf Schloß Rheinsberg statt, stets mit musikalischer Begleitung.Das Hans-Otto-Theater sei froh, auf andere Spielstätten ausweichen zu können, da es in seiner Existenz gefährdet sei, sagte der Schauspieler Hans-Jochen Röhrig.Die Zusammenarbeit habe sich bei den diesjährigen Lesungen zu "Fontane und die Frauen" bewährt, ergänzte Gotthard Erler vom Aufbau-Verlag."radio kultur" wird die Lesungen übertragen und in der Nacht zum 250.Geburtstag Goethes am 28.August bis zum frühen Morgen zum Thema senden.Zwar propagierte der Geheimrat die Maxime "Die Tat allein beweist der Liebe Kraft", doch waren ihm die Frauen vor allem als Anregerinnen seiner Schöpfungskraft willkommen.Die einzige stabile Beziehung unterhielt er zu Christiane Vulpius, die er nach 18jährigem Zaudern ehelichte.Ihr gilt die erste Matinee, eine Lesung aus dem Briefwechsel: "Ich schicke dir ein Späßchen!" (Weitere Informationen unter: 0331/275710).

Jean Malaquais, französischer Schriftsteller, ist im Alter von 90 Jahren in Paris gestorben.Der in Warschau geborene Malaquais emigrierte 1926 nach Frankreich und arbeitete zunächst unter anderem als Bergmann.Für seinen Erstlingsroman "Les Javanais" über seine Kollegen unter Tage erhielt er 1939 den "Prix Renaudot".Neben Romanen wie dem Kriegstagebuch "War Diary" (1944) verfaßte Malaquais auch ein Werk über den Philosophen Sören Kierkegaard ("Foi et Paradoxe", 1971).

Im Rechtsstreit um die Verbreitung des Theaterstücks "Germania 3 - Gespenster am toten Mann" von Heiner Müller hat der Kölner Verlag Kiepenheuer & Witsch beim Bundesverfassungsgericht eine Verfassungsbeschwerde eingereicht.Das Oberlandesgericht München hatte im März auf eine Klage der Erben Bertold Brechts hin entschieden, daß Müllers Theaterstück nicht mehr als Buch verbreitet werden darf, weil Müller Textpassagen aus Werken Brechts übernommen habe.

Die Kinderoper "Brundibar" von Hans Krasa, die im Konzentrationslager Theresienstadt entstanden ist, kann womöglich im Januar im Berliner Konzerthaus nicht aufgeführt werden, weil finanzielle Mittel fehlen.Der Hauptsponsor Göttinger Gruppe ließ mitteilen, daß die ursprünglich geplante Zuwendung plötzlich völlig unsicher sei.Ein Antrag auf Unterstützung durch die Berliner Stiftung Deutsche Klassenlotterie war zuvor abgelehnt worden und Senatsmittel wurden nicht bereitgestellt.Dirigent Carsten Albrecht und Regisseur Matthias Diem äußerten ihr Unverständnis, daß das Projekt nicht mehr öffentliches Interesse finde. ADN

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