Kultur : Kurzmeldungen und Kulturnachrichten

Semprun: Europa Produkt jahrhundertelanger Auseinandersetzungen

Das heutige Europa ist nach Ansicht des spanisch-französischen Schriftstellers und Politikers Jorge Semprun ein Produkt sozialer, religiöser und politischer Auseinandersetzungen."Es ist das dichte, manchmal undurchsichtige und tragische Ergebnis langer Jahrhunderte von Auseinandersetzungen, Vermischungen und Verschmelzungen, Invasionen und Widerständen", sagte der 75jährige am Dienstag bei der nichtöffentlichen Tagung der EU-Kulturminister in Weimar.Das Europa von heute sei zuerst aus dem Kampf gegen den Nationalsozialismus geboren worden, dann aus dem Widerstand gegen den sowjetischen Totalitarismus.Die Integrität und Freiheit der europäischen Länder wäre allerdings nicht ohne die transatlantische Allianz möglich gewesen.Dies erkläre auch das Gewicht, das die USA bis heute in der Außen- und Verteidigungspolitik der EU habe."So lange die Wurzeln der Probleme, die Europa zerreißen, in den vom sowjetischen Imperium geschaffenen Situationen liegen, oder in den Folgen seines Zusammenbruchs, die in gewissen Regionen Zentral- und Osteuropas noch aktiv sind, ist es logisch, daß die Intervention der USA eine der Komponenten der europäischen Allianz ist", sagte Semprun auch mit Bezug auf den Kosovo-Konflikt.

Hamburg: Opernintendant wirft das Handtuch

Der Intendant der Hamburgischen Staatsoper, Albin Hänseroth, wird seinen Posten zum Ende diesen Jahres vorzeitig aufgeben.Hänseroth, der Nachfolger Franz Xaver Ohnesorgs als Leiter der Kölner Philharmonie wird, begründete seinen Schritt mit der Weigerung des Hamburger Senats, bindende Zusagen für die Finanzierung des viertgrößten deutschen Opernhauses über das Jahr 2002 hinaus zu geben.Entgegen den Zusagen des Senats seien, so Hänseroth, seit seinem Amtsantritt die Zuschüsse für die Hamburger Oper zunächst gekürzt und dann eingefroren worden.Unter diesen Voraussetzungen sehe er keine Möglichkeit, seine Arbeit ohne entscheidenden Qualitätsverlust fortzuführen.Parallel zu seiner Rücktrittsentscheidung hat Hänseroth signalisiert, dem Haus gegebenenfalls weiterhin als künstlerischer Berater zur Verfügung zu stehen.Generalmusikdirektor Ingo Metzmacher zeigte Verständnis für Hänseroths Reaktion, erklärte aber, seinen eigenen Vertrag bis 2002 erfüllen zu wollen. Tsp

Andrew Miller, britischer Autor, hat für seinen Erstlingsroman "Die Gabe des Schmerzes" den mit 150 000 US-Dollar dotierten "IMPAC Dublin Literary Award" erhalten.Die Auszeichnung gilt als höchstdotierter Literaturpreis, der für ein Einzelwerk vergeben wird. epd

Paul Muldoon, nordirischer Lyriker, ist auf den Lehrstuhl für Poetik der Universität Oxford berufen worden.Die Poetik-Professur in Oxford gilt neben dem derzeit unbesetzten Amt des britischen "Hofdichters" als bedeutendste Ehrung für einen englischsprachigen Lyriker der Gegenwart.Zu den Vorgängern Muldoons gehören WH Auden, Matthew Arnold und der irische Nobelpreisträger Seamus Heaney.epd

Rudolf Arnheim, Berliner Publizist, Filmtheoretiker und Kunstpsychologe, erhält den mit 15 000 Mark dotierten Helmut-Käutner-Preis, den Filmpreis der Landeshauptstadt Düsseldorf. Tsp

Die Stadt Oldenburg ehrt den Maler und Grafiker Horst Janssen mit einem eigenen Museum.Das neue Museum, das insgesamt 11 Millionen Mark kosten soll, wird nach seiner Fertigstellung im Sommer 2000 auf insgesamt 2300 Quadratmetern einen Überblick über das umfangreiche Werk des Zeichners geben.Janssen wuchs in Oldenburg auf, wurde 1992 Ehrenbürger und 1995 in der Stadt begraben. AP

Otto Wesendonck, Bildhauer, erhält den mit 60 000 Mark dotierten Großen Kulturpreis der rheinischen Sparkassen.

Bertrand Lavier, französischer Künstler, erhält den erstmals vergebenen Bernhard-Heiliger-Preis.Die für Skulptur bestimmte Auszeichnung ist mit 30 000 Mark dotiert.Der Preis wird am 26.Juni in der Berliner Hochschule der Künste überreicht.Die Bernhard-Heiliger-Stiftung, die den Preis vergibt, ist aus dem Nachlaß des 1995 gestorbenen Bildhauers hervorgegangen.

Theodore Katz, amerikanischer Religionswissenschaftler und Historiker, hat den mit 60 000 Mark dotierten Leopold-Lucas-Preis 1999 erhalten.

Hans Marquardt, ehemaliger Chef des Leipziger Reclam-Verlages, ist aus dem PEN Zentrum Deutschland ausgetreten."Ich finde es unmöglich, daß die Schriftstellerorganisation sich nicht auf einen Konsens zum Kosovo-Konflikt einigen konnte", sagte Marquardt.Vom PEN gab es bislang keine gemeinsame Erklärung zum Kosovo-Konflikt.

Elisabeth Schweeger, künstlerische Leiterin der Avantgardebühne des Bayerischen Staatsschauspiels, erhält den mit 15 000 Mark dotierten Theaterpreis der Landeshauptstadt München 1999.

Die Ausstellung des israelischen Malers Daniel Ben Hur im Berliner Centrum Judaicum (vgl.Tsp vom 15.5.) wurde verlängert bis zum 27.Mai 1999. Tsp

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