Kultur : Kurzmeldungen und Kulturnachrichten

Rafael Chirbes gewinnt Preis der Bestenliste

Der spanische Schriftsteller Rafael Chirbes hat den mit 20 000 Mark dotierten Preis der SWR-Bestenliste 1999 gewonnen. Die aus 36 Literaturkritikern bestehende Jury würdigte den 1949 bei Valencia geborenen Autor für seine Romane "Der lange Marsch" und "Die schöne Schrift" (Kunstmann Verlag). In ihnen erzählt Chirbes von den Folgen des Spanischen Bürgerkriegs und der Franco-Diktatur.

Die Bestenliste im Monat Juni hat auf Anhieb die polnische Autorin Hanna Krall erobert. Ihr Erzählungsband "Da ist kein Fluß mehr" (Verlag Neue Kritik), der Überlebende des Dritten Reichs von ihren Schicksalen berichten läßt, wurde von den Juroren auf Platz eins gewählt. Auf Platz zwei folgen die Gedichte "Nach den Satiren" (Suhrkamp) des Büchner-Preisträgers Durs Grünbein. Platz drei belegt der Triestiner Literaturwissenschaftler und Schriftsteller Claudio Magris und erklärt "Die Welt en gros und en détail" (Hanser). Salman Rushdies Pop-Roman "Der Boden unter ihren Füßen" (Kindler) kommt auf Platz vier. Die Plätze fünf und sechs teilen sich Michel Houellebecqs kalte Gegenwartsdiagnose "Ausweitung der Kampfzone" (Wagenbach) und Martin Mosebachs Liebesgeschichte "Die Türkin" (Aufbau). "Das Magische Labyrinth, Band 1: Nichts geht mehr" des Spaniers Max Aub erfährt posthum Ehre auf Rang sieben. Volker Brauns Gedichte mit dem Titel "Tumulus" (Suhrkamp) stehen auf Platz acht. Die Plätze neun und zehn gehören zwei Russen: einem heute noch zeitgenössisch wirkenden Klassiker namens Aleksandr Puskin, dessen Erzählungen Peter Urban für die Friedenauer Presse neu übersetzt hat, und Viktor Pelewin, der sich mit seiner verwirrenden Romanfarce "Buddhas kleiner Finger" (Volk & Welt) in die erste Reihe der Moskauer Gegenwartsautoren geschrieben hat. Als persönliche Empfehlung im Juni nennt Christina Weiss George Steiners intellektuelle Autobiographie "Errata" (Hanser), die am vergangenen Sonntag im Literaturblatt des Tagesspiegels besprochen wurde. Tsp

Internationales Puschkin-Festival in Berlin

Der Bundesverband Deutscher West-OstGesellschaften veranstaltet vom 17. bis 20. Juni in Berlin anläßlich des 200. Geburtstags des russischen Dichters ein "Puschkin-Festival Berlin" (Russisches Haus an der Friedrichstraße). Im Zentrum steht ein Slawisten-Symposium mit Themen wie "Puschkins Bedeutung für die kulturelle Identität Rußlands heute" und "Puschkins Weg zu Goethes Faust". Begleitet wird es von dem Diskussionsforum "Erschießt Puschkin", in dem unter anderen der traditionalistische Dichter Oleg Jurjew mit dem Modernisten Dmitrij Prigow über die Frage der Klassikerrezeption streitet. Am Sonnabend liest der Schriftsteller Andrej Bitow aus Puschkins Werken, begleitet wird er dabei von Jazzmusikern. Es folgt eine "PuschkinNacht" mit Film- und Theatervorführungen, Tanzkapelle, kulinarischer Poesie und einer weiteren Jazz-Improvisation mit Sasha Puschkin und Souleymane Touré. Grenzüberschreitend sind auch die russischsprachigen Aufführungen des Omsker Kammertheaters, eines Avantgarde-Ensembles aus der sibirischen Provinz, das am Donnerstag mit den "Geschichten Belkins", einer Theaterphantasie nach den berühmten Erzählungen Puschkins, beginnt. End- und Höhepunkt des Festivals am Sonntag abend ist das Opernkonzert mit Puschkin-Vertonungen russischer Komponisten. Es gastieren Solisten des Stanislawskij-Nemirowitsch-Dantschenko-Musiktheaters aus Moskau. Völkerverbindend könnte da der am Donnerstag abend aufgeführte Stummfilm "Eugen Onegin" (Berlin, 1918) wirken, den ein deutsch-russisch-ukrainisches Orchester begleitet. (Programminfos über das Festival gibt es unter Tel. 030/20455120) - ry

Die neue Generaldirektorin der Deutschen Bibliothek, Elisabeth Niggemann, ist am Dienstag in Frankfurt am Main ihr Amt eingeführt worden. Parallel zur Amtseinführung stellte die Deutsche Bibliothek eine Digital Versatile Disk (DVD) mit der Deutschen Nationalbibliographie seit 1945 vor. ADN

Die Akademie der Künste Berlin-Brandenburg hat den künstlerischen Nachlaß des Komponisten und Revueautors Rudolf Nelson (1878-1960) erhalten. Er wurde ihr von der Erbin Anita Sander geschenkt. Das Archiv umfaßt 25 000 Blatt, darunter Notenhandschriften und Bühnenmanuskripte sowie bisher unpublizierte biographische Aufzeichnungen und Briefe. Nelson korrespondierte unter anderem mit Willi Schaeffers, Kurt Weill und Claire Waldoff.

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