Kultur : Kurzmeldungen

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CITY LIGHTS

War der Sozialismus romantischer? Oder ist die russische Seele größer und wärmer? Vielleicht sind es Projektionen: Doch in der Vergegenwärtigung sowjetischer Filme der sechziger und siebziger Jahre schwingen auch Reminiszenzen an einen verlorenen bittersüßen Gefühlszustand mit.

„Von Schukschin bis Tarkowski – Weinen und Lachen im sowjetischen Film“ heißt eine Reihe mit sowjetischen Klassikern im Babylon-Mitte. Weinen und Lachen ja, doch möglichst gleichzeitig. Denn es sind eher die melancholischen Brüche der Gefühle als ihre extremen Pole, die das russische Kino jener Jahre bestimmen – am versöhnlichsten in Wladimir Menschows 50er-Jahre-Alltagsstory Moskau glaubt den Tränen nicht ( Dienstag und Mittwoch), am härtesten ausgeformt in Michail Kalatosows früher Antikriegs-Romanze Die Kraniche ziehen (Freitag und Samstag). Den anrührendsten Protagonisten hat zweifellos Wassili Schukschins Ex-Häftlings-Melodram Kalina Krasnaja (Donnerstag). Schwermut ist sexy – und der Sozialismus war romantischer: Oder kann man sich solch einen Mann in Hollywood vorstellen? Silvia Hallensleben

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