Kultur : Kurzmeldungen

Fünf Monate vor seinem Start war es fast schon am Ende: das Filmfest Venedig. Nun beginnt es – vital wie eh und je Der Wunderheiler

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In zwei Tagen wird das Ereignis das Normalste der Welt sein: die Eröffnung der 59. Filmfestspiele von Venedig. Vor ein paar Wochen aber, bei der Präsentation des Programms, sprach der neue Festival-Chef Moritz de Hadeln noch von einem „Wunder“, und im Online-Auftritt der Mannschaft vom Lido ( www.labiennale.com ) ist, wiederum Originalton Moritz de Hadeln, im Rückblick auf seine Berufung nur vier Monate zuvor, vom Versuch die Rede, „das Unmögliche zu verwirklichen“. Nun, sie haben es geschafft. Sie haben – mit 77 Lang-, 46-Kurz- sowie 20 Dokumentarfilmen – ein Programm. Und ein sehr vorzeigbares noch dazu.

Man erinnere sich: In den wirren Wochen des Februar/März herrschte noch das blanke Chaos. Der egomanische Kulturstaatssekretär Vittorio Sgarbi hatte durch immer neue, immer absurdere und ungesichertere Personalvorschläge den renommierten Filmfestchef Alberto Barbera aus dem Amt geekelt (und musste schließlich im Sommer, nach einem forschen Privatkrieg mit seinem vorgesetzten Kulturminister, selber gehen). Dann kam die hektische Suche nach einem echten Nachfolger vom Fach. Und siehe da, man wurde fündig bei einem, der drei Jahrzehnte einschlägige Erfahrung - in Locarno und Berlin – und sich eigentlich schon ein bisschen retiriert hatte: Moritz de Hadeln.

Nun also: Venedig ist tot, es lebe Venedig! Am Lido geben sich im Wettbewerb unter anderem die Ehre: der heftig erwartete neue Film von „American Beauty“-Sam Mendes, „Road to Perdition“, außerdem der neue Stephen Frears („Dirty Pretty Things“), Takeshi Kitano („Dolls“), Peter Mullan („Magdalena Sisters“) sowie neue Werke von Michel Deville, Patrice Leconte, Sergej Bodrov und Agnieszka Holland. Aus Deutschland konkurrieren Doris Dörrie mit „Nackt“ und Winfried Bonengel mit seinem Ingo-Hasselbach-Porträtfilm „Führer Ex“ um den Goldenen Löwen. Außer Konkurrenz starten der neue Clint Eastwood („Blood Work“), John Malvichs „The Dancer Upstairs“, Kathryn Bigelows „K-19“, Liliana Cavanis „Ripley’s Game“ sowie die Episodenfilme „11’09’01“ über den 11. September mit elf elfminütigen Beiträgen verschiedener Regisseure und „Ten Minutes Older - The Cello“. In der Nebenreihe „Controcorrente“ (Gegenstrom), die die letztjährige, mit einem Löwen gekrönte Konkurrenzsektion „Cinema del Presente“ ablöst, sind Filme unter anderem von Claire Denis, Lukas Moodysson, Arturo Ripstein, Steven Soderbergh, Fruit Chan und Larry Clark zu sehen. Zwei Retrospektiven sind dem Werk Michelangelo Antonionis und der alles in allem 70-jährigen Geschichte des weltältesten Festivals gewidmet. Und die Vorsitzende der Jury, die über 21 Wettbewerbsfilme befindet? Die chinesische Schauspielerin Gong Li.

Alles fürs erste durchaus wunderbar. Was die Schattenseiten des so eilig vorbereiteten Festivals betrifft, hat Moritz de Hadeln auch schon mal online vorgebaut: „Bitte keine Polemik!“ (vgl. auch Interview). jal

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