Kultur : Kurzmeldungen

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Wie lebt die liberale Gesellschaft mit Kinderschändung? Davon erzählen Bilder ihrer Alptraumfabrik. 1975 schickte Martin Scorsese einen von Einsamkeit und Aggression umgetriebenen Vietnam-Veteranen durch das Sündenbabel New York: Der „Taxi Driver" (Robert de Niro, oben) bereitet sich mit asketischem Fitnesstraining darauf vor, als Amokläufer ein Zeichen gegen die Unratflut zu setzen, gegen die Ausbeuter einer Kindernutte. „Gewalt bewährt sich und wird belohnt", schrieb damals der Katholische Filmdienst, das mache den Film problematisch. Ein Film darüber, wie die Kirche selbst, als Gesellschaft in der Gesellschaft, mit ihren Kinderschändern lebt, steht indes noch aus. Aber 22 Jahre nach „Taxi Driver" hat der Däne Thomas Vinterberg „Das Fest“ gedreht: ein Werk, dem die katholische Kritik „Sprachlosigkeit als Ausdruck einer tiefen Erschütterung“ bescheinigte. Da wird der Vater (unten: Henning Moritzen) an seinem 60. Geburtstag durch den ältesten Sohn des Missbrauchs angeklagt. Skandal in der geschlossenen Gesellschaft. Die Festgemeinde möchte nichts davon hören. Die Mutter (Birthe Neumann, r.) als mitwissender Teil der Hierarchie will die Familienliturgie retten, indem sie ihren Sohn vor allen Gästen diskreditiert. Erst als mit dem belastenden Brief einer Schwester, die Selbstmord begangen hatte, ein weiteres Opfer ins Spiel kommt, kippt die Stimmung. „Ihr bringt mich um", stöhnt der Vater, während sein jüngster Sohn ihn zusammenschlägt. „Ich liebe euch noch," sagt er beim Frühstück, bevor man ihn („damit wir essen können") hinausdrängt. Koexistenz mit dem Monster? Nach dem Skandal dominieren Ekel und Verzweiflung. Fotos: Cinetext

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