Kultur : Kurzmeldungen

NAME

CITY LIGHTS

Was haben Sex, Gewalt und Überlänge gemeinsam? Sie sind sehr häufig der Grund dafür, dass ein Film verstümmelt wird. In der jungen Bundesrepublik gab es noch einen weiteren Verstümmelungsgrund: Nazis. So wurde dem westdeutschen Publikum im August 1952 eine „Casablanca"-Version präsentiert, in der kein einziger SS-Mann mehr vorkam, und in der Conrad Veidt, immerhin einer der Stars des Films, völlig fehlte. Aus heutiger Sicht lassen sich derartige Zensurmaßnahmen nicht mehr verstehen, denn die in Hollywood gedrehten Anti-Nazi-Filme zeichneten ein erstaunlich differenziertes Bild der Deutschen.

Ähnliches kann man von den antijapanischen Propagandafilmen kaum behaupten. Hier wurde nicht politisch argumentiert, sondern rassistisch. Eine rühmliche Ausnahme bildet John Hustons Abenteuer in Panama (1942). Die Japaner, deren Pläne Humphrey Bogart zu durchschauen versucht, können sogar richtige Sätze von sich geben. Auch die Lockerheit, mit der Huston seine Spionagegeschichte erzählt, lässt den Film modern erscheinen. Kaum zu fassen, dass er kurz nach dem Angriff auf Pearl Harbor in Produktion gegangen ist. Statt mit verbissener Miene seine patriotische Mission zu erfüllen, flirtet Bogey ausgiebig. Eine gut aufgelegte Mary Astor ist seine Partnerin. Was für ein willkommener Kontrast zu den bierernsten Kriegsspektakeln, die uns in den letzten Monaten zugemutet wurden (Montag bis Mittwoch im Lichtblick).

Ungewöhnlich locker auch Peter Kahanes Ete und Ali: 1985 bei der DEFA hergestellt, porträtiert er zwei Männer (Jörg Schüttauf und Thomas Putensen), die nach dem Wehrdienst nicht so recht wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Ungewöhnlich ist der lockere Ton deshalb, weil solche Figuren im DDR-Film sonst als unerwünschte Außenseiter verurteilt wurden, oder es gab fünf Minuten vor Schluss eine aufgesetzte Charakterwandlung. Nicht so bei Kahane. Seine Müßiggänger sind keine Parasiten und keine tragisch Gescheiterten, sondern sympathische Lebenskünstler – wohl der Hauptgrund für den dauerhaften Erfolg des Films. Man könnte ihn als Proll-Komödie bezeichnen, wenn dieser Begriff nicht so furchtbar diskreditiert wäre (heute bis Dienstag im Acud).

Der große Außenseiter im Kino der Adenauer-Ära heißt Jonas (1957) und ist allein schon wegen der Biografie des Regisseurs bemerkenswert. Der 1907 geborene Ottmar Domnick war Facharzt für Neurologie und Psychatrie, ein begabter Cellist und Sammler abstrakter Malerei. Sein erster Langfilm „Jonas“ behandelte die Einsamkeit des Großstädters, er irritierte das Publikum mit inneren Monologen (von Hans Magnus Enzensberger mitverfasst) und einer jazzigen Partitur von Duke Ellington. Und: Ton und Bild waren zum Teil asynchron (bis Sonntag in der Brotfabrik). Frank Noack

0 Kommentare

Neuester Kommentar