Kultur : Kurzmeldungen

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Oper

Bannadonna ist ein besessener Erfinder. Für sein Meisterstück, die große Glocke im Uhrwerk seines Turms, schreckt er weder vor schwarzer Magie noch vor Mord zurück. Doch das Werk erschlägt am Ende seinen Schöpfer. Ernst Krenek goss für seine Oper „Der Glockenturm“ (1956) seinen Stoff, eine Erzählung von Herman Melville, in eine zwölftönige Partitur von expressionistischer Dramatik. Dirigent Vincente Larranaga umreißt in den Sophiensälen das Spannungsfeld von mathematisch-sachlicher Kompositionstechnik und psychologisierender Farbigkeit trefflich (20.-22.9., 20 Uhr). Auch gesungen wird, vor allem von Julia Henning, Rupert Bergmann und Melih Tepretmez, beeindruckend – allerdings für den Raum durchweg zu laut. Hätte doch auch der Regisseur nur dem Stück vertraut! Doch Sven Holm kann sich nicht entscheiden, ob er das Stück hochromantisch, abstrakt oder ironisch nehmen will. In dilettantischem Bewegungsrausch stolpern seine Akteure über die Szene. Es ist wie in Kreneks Oper: Nicht immer geht künstlerische Besessenheit mit Genie einher! Jens Luckwaldt

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