Kultur : Kurzmeldungen

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Während Deutschland sich wiedervereinigte, zerfiel Jugoslawien, einstiges Ferienland der Deutschen, in seine Bestandteile. Serbien suchte die Vorherrschaft über Slowenien, Kroatien, Bosnien, das Land lag im Krieg. Hunderttausende von Kindern gingen nicht mehr zur Schule, Hunderttausende verloren ihre Väter. Wer nicht emigrierte, versuchte Normalität wenigstens zu imitieren. Neun junge Fotografen aus Sarajevo zeigen jetzt in Berlin ihre Arbeiten, die zuerst vor zwei Jahren in Dayton/Ohio ausgestellt waren. Die Ausstellung „Sarajevo Selbstportrait 1991-1999" bezieht ihre enorme Präsenz aus der Spannung zwischen Hinsehen und Andeuten. Die zwischen 1951 und 1961 geborenen, mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Fotografen verweigern sich dem propagandistischen Blick und der flachen Ästhetisierung. Mit beeindruckender Kraft setzen sie vielmehr auf die Tradition der Magnum-Kollegen. So finden sich Im Zentrum ihres Blicks – fast ausschließlich in Schwarzweiß – Menschen: Versprengte, Verzweifelte, Verwirrte, Feiernde, Posierende, Entschlossene. Und Trauernde. Danilo Krstanovic zeigt ein flanierendes Brautpaar. Wie ausgeschnitten laufen die beiden durch die Stadt der Heckenschützen.

Dejan Vekic schickte 500 seiner Fotos als Beweismaterial ans Haager Tribunal, Milomir Kovacevic, der Symboliker unter den Ausstellenden, suchte und fand zersprungene Tito-Portraits in Trümmern, Abfall und Geröll. Von ihm stammt auch die Serie „Kinder mit Waffen", der wir unsere Bilder (oben) entnahmen. Nihad Nino Pusic, der in Berlin lebt, hält Alltagsszenen fest, die aus dem Passepartout zu drängen scheinen, so lebhaft sind sie. Im Beiprogramm der Ausstellung findet sich ein Touch Kreuzberg-Szene: Da geht es weniger um Menschen in Bosnien, als um die Frage der Mitschuld des „Westens" an den Zerfallskriegen. Manche der Fotografen zeigen sich angesichts der Themen etwas befremdet – in Bosnien wünschten sich viele mehr Intervention, nicht weniger. Etwa, als Uno-Soldaten tatenlos dem Massaker von Srebrenica zusehen. „Wir werden mitdiskutieren", kündigte einer der Künstler leise an. cf

„Sarajevo Selbstporträt 1991-1999“, bis 20.10. im Kunstraum Kreuzberg /Bethanien (Mariannenplatz 2) , täglich 14 bis 19 Uhr.

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