Kultur : Kurzmeldungen

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Schönheit liegt im Auge des Betrachters“, sagt Henryk M.Broder. Aber er wäre nicht Broder, wenn er nicht hinzufügte: „Antisemitismus manchmal auch.“ Der Meister des polemischen Ausfallschritts machte gestern öffentlich, was man gewöhnlich für sich behält: seine Post. Die Briefe, die nun im Jüdischen Museum Berlin an einer Wäscheleine hängen (Foto: Thilo Rückeis), sind nicht an die Privatperson Broder adressiert, sondern an den jüdischen Publizisten, der sich auch zur antisemitischen Wahlkampftaktik Jürgen Möllemanns geäußert hat. Etwa 600 Briefe hat Broder zu dieser „absurden Scheindebatte“ erhalten; die „Jüdische Allgemeine Wochenzeitung“ steuerte noch einige bei. Wo zieht Broder die Grenze zwischen Kritik an Israels Politik und Antisemitismus? „Wenn man die Juden noch weniger leiden kann, als es natürlich ist.“ Antisemitismus beginne da, wo Juden anders behandelt werden als andere. Auffällig an den Briefen sei die fürsorgliche Haltung der Verfasser: „Die wollen die Juden vor sich selber schützen“ – was beweise, dass auch Antisemiten mit der Zeit gehen. Neuerdigns unterschreiben die Absender oft mit dem Hinweis: P.S: Bin kein Antisemit. In der Ausstellung hängt auch ein Cover des Magazins Titanic, mit der Schlagzeile: „Schrecklicher Verdacht: War Hitler Antisemit?“ cm

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