Kultur : Kurzmeldungen

NAME

CITY LIGHTS

Wenn man sich im Bewusstsein von siebenundzwanzig Jahren bundesdeutscher Geschichte Volker Schlöndorffs Die verlorene Ehre der Katharina Blum noch einmal neu ansieht, fällt einem neben dem medienkritischen Scharfblick auch die politische Arglosigkeit auf, die damals noch das Verhältnis zum Terrorismus bestimmte. Trotz aller satirischen Schärfe wirkt der damalige Politfilm wie ein Märchen aus selig vergangener Zeit. Schlöndorffs Film ist von 1975, Heinrichs Böll Romanvorlage erschien ein Jahr früher, lange ereignisschwere Monate, bevor Schleyer-Entführung, Mogadischu und die Toten in Stammheim das dunkle Ende des langen Wegs von den „Umherschweifenden Haschrebellen“ zum autoritären Verschwörungsterrorismus besiegeln sollten. Margarethe von Trottas Die bleierne Zeit (1981) spiegelt präzise die auf die Herbstereignisse folgende Depression und wurde zum Vorbild einer Reihe ähnlich gefärbter Filme, die besonders im Ausland ein neues eiszeitliches Deutschlandbild prägten. Zum fünfundzwanzigsten Jahrestag des Deutschen Herbstes bringt das Lichtblick-Kino beide Filme in einer Reihe auf die Leinwand, die neben einigen informativen Dokumentationen auch einen Überblick über das thematisch entsprechende deutsche Erzählkino von damals bis zu Christian Pätzolds Die innere Sicherheit bietet. (Katharina Blum am Donnerstag, Die bleierne Zeit Montag bis Mittwoch.)

Wie sehr sich das gesellschaftliche Klima seither verändert hat, lässt sich auch an den öffentlichen Reaktionen auf die Filme ablesen. Als Reinhard Hauffs Stammheim (Samstag und Sonntag) 1986 auf der Berlinale den Goldenen Bären erhielt, war es nicht nur die nachträgliche Distanzierung des Jurymitglieds Gina Lollobrigida von dieser Entscheidung, die für öffentliche Aufregung sorgte. Schon vorher hatte tatkräftige Kritik aus der militanten Ecke die Aufführung des Films zur polizeibewehrten Bunkershow gemacht. Die um vieles waghalsigeren, wenn auch nicht gewagteren Geschichtsdeutungen von Christopher Roths Baader im diesjährigen Wettbewerb dagegen reichten gerade mal aus, um ein paar erregungswilligen Filmkritikern kurzfristig die Gemüter zu erhitzen. Silvia Hallensleben

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben