Kultur : Kurzmeldungen

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Über den Ursprung des Wortes „Jazz" gibt es unterschiedliche Auffassungen. Einerseits soll es vom französischen Verb „jaser" abstammen, was übersetzt „schwatzen" bedeutet. Andererseits könnte der Begriff auch aus der Verballhornung von Musikernamen wie „Chas" für Charles oder „Jas" für James hervorgegangen sei. Am beliebtesten ist allerdings, „jazzing" als Synonym für Geschlechtsverkehr zu betrachten. Und dass Jazzmusik über Jahrzehnte ein syphilitisches Dasein in Bordellen, Nachtclubs und zwielichtigen Kaschemmen fristete, hat ihren Ruf nicht eben aufgebessert. Heute hat das Wort seinen verruchten Klang längst verloren. Nicht zuletzt wegen der europäischen Begeisterung für das Wilde und Ungestüme wurde dem Jazz die Ehre einer genuinen Kunstform zuteil. Waren es doch Emigranten wie Alfred Lion und Konrad Wolff, die das renommierte Blue Note Label gründeten, oder Komponisten wie Strawinski, Debussy und Weill, die Jazz-Elemente integrierten und deren Vitalität so in den Rang des Erhabenen rückten. Auch der berühmte Porträtfotograf Giuseppe Pino hat zu dieser Aufwertung beigetragen. Seine Bilder von Jazzmusikern wie dem Saxophonisten Sonny Rollins von 1974 (Foto) zeugen in ihrer Schlichtheit und stillen Eindringlichkeit von dem enormen Respekt des Italieners, der seine Idole zunächst bei Festivals in seiner Heimat traf und ihnen später nach New York folgte. So entstanden über die Jahre wundervolle Serien unter anderem von Miles Davis, Ella Fitzgerald und Charles Mingus, die auch den Wunsch verraten, Jazz in etwas Edles zu verwandeln. KM

Sonny Rollins spielt am 13.10. im Tempodrom

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