Kultur : Kurzmeldungen

Silvia Hallensleben

CITY LIGHTS

Wer intelligent gemachtes Unterhaltungs-Kino jenseits des Mainstreams liebt, für den dürften die Siebziger-Jahre-Filme der US-Regisseurin Stephanie Rothman Leckerbissen sein. Rothman, die in Roger Cormans B-Picture-Schmiede ihr Handwerk lernte, gelang es wie kaum einer anderen Filmemacherin, sich die kommerziellen Zwänge des Billig-Sektors in inhaltliche und formale Freiräume anzuverwandeln. So drehte sie mit „The Student Nurses“ 1970 den wohl einzigen feministischen Agitprop-Krankenschwestern-Film. Vier Jahre später thematisiert Rothman den Gegensatz zwischen hochfliegenden Karriereplänen und den Niederungen der Realität nüchterner und schroffer. Die Heldinnen von „Working Girls“ sind zwar allesamt hoch qualifiziert in Wissenschaft und Kunst, ihren praktischen Lebensunterhalt können sie aber nur durch Vermarktung ihrer körperlichen Reize bestreiten.

„Working Girls“ ist seit den Anfängen des letzten Jahrhunderts ein Etikett für die jungen Frauen, die in den Großstädten durch eigenen Gelderwerb ihr Glück zu machen versuchten. Nicht überraschend wurde der Begriff bald auch zur Metapher für den Inbegriff weiblichen Broterwerbs, die Prostitution. Lizzie Bordens Film „Working Girls“ von 1986 nimmt diese Bedeutung ernst und präsentiert die Tätigkeit von Prostitutierten mit Bildern von Arbeit und Alltag, nicht vom Sex. Auch hier macht die Heldin den Job, um ihre eigenständige künstlerische Arbeit als Fotografin zu finanzieren: ein Hinweis darauf, dass beide Filme sich durchaus auch als berufliche Selbstreflektion der Filmemacherinnen verstehen lassen. Working Girls heißt auch die kleine Reihe, die – von der diesjährigen Feminale ins Arsenal gereist – insgesamt drei Filme mit diesem Titel vorstellt. Eine frühe Arbeit von Dorothy Arzner lief schon letzte Woche, dafür gibt es Stephanie Rothman am Donnerstag, Lizzie Borden am Sonntag und Dienstag.

In der klassischen Geschlechterpolarität gelten die Frauen zwar als passive Sexobjekte, in Wirklichkeit müssen sie aber immer emsig ackern, ob am Küchentisch oder im Bett. Dass Männer dagegen erst dann richtig sexy werden, wenn sie gar nichts tun, zeigte Regisseurin May Spils 1968 in ihrer charmanten Nichtstuer-Komödie Zur Sache, Schätzchen. So sind der Film und sein Held Werner Enke heute Zelluloid gewordenes Denkmal für eine fast vergessene Spezies Mensch: den Gammler (Freitag im Filmtheater am Friedrichshain, Sonntag im Delphi).

Mit Siegfried Kühns Die Schauspielerin (1988) wird am Montag im Börse-Kino das neue Jahrbuch der DEFA-Stiftung vorgestellt. Die junge Corinna Harfouch spielt hier eine Provinz-Schaupielerin der Nazizeit, die aus Liebe zu einem jüdischen Kollegen Identität und Beruf aufgibt. Aus dem Spiel wird Ernst. Denn auch Maria/Manja ist ein echtes „working girl“, die Bühne ihre Berufung. Ein Film über Beruf und Leidenschaft, und über die Doppelbödigkeit von Spiel und Wirklichkeit.

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