Kultur : Kurzmeldungen

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Vom Leben in Hotelzimmern erzählte Tony Rizzi in William Forsythes Choreografie „Kammer/Kammer", wo er den Lover eines berühmten Rockstars spielte. Nun kann man den Solisten des Frankfurter Balletts in einem privaten Rahmen erleben: „Im Bett mit Tony" könnte man das PerformanceAusstellungs-Projekt des Madonna-Verehrers nennen, er selbst nennt es ironisch „I am Open and Receptive to New Avenues of Income (Ich bin offen und bereit für neue Verdienstmöglichkeiten"). Ein lustvolles Maskenspiel.

„Mein Leben ist theatralisch genug", sagt Rizzi. Zunächst hatte Rizzi in seine Frankfurter Wohnung eingeladen, befreundete Künstler beteiligten sich an dem Happening. Nun ist das Spektakel nach Berlin umgezogen, in die Wohnung des Innenarchitekten und Stylisten Thomas Greb. Dessen Privaträume sind wahre Wunderkammern mit Sammlerstücken zwischen Kitsch und Kostbarkeit. Auf schmiedeeisernen Hoch- und Himmelbetten wird das Evangelium der Mae West verkündet. Tony zieht sich das Kostüm der Sexgöttin über, erzählt kleine Geschichten und plaudert über Sex.

Mit der Durchdringung von Privatem und Öffentlichem spielt auch der Foto-Künstler Rizzi. Hunderte von Polaroids hat er nun zuzusammengetragen, Schnappschüsse von Freunden, Künstler-Kollegen, Liebhabern und Liebhabern von Liebhabern. Der Amerikaner italienischer Abstammung schart gern eine Ersatzfamilie um sich. Tony Rizzi and Friends: die Choreografen Bill Forsythe und Jan Fabre sind – auf den zweiten Blick – zu erkennen, Tänzerinnen vom Frankfurter Ballett haben ihren Auftritt – und schöne Unbekannte: Freunde im Bad, Fremde im Bett oder umgekehrt. Die Instant-Bilder hat Rizzi zu Tableaus von ganz unterschiedlicher Größe zusammengesetzt, die Nahtstellen bleiben immer sichtbar: Die Körper werden zerstückelt, neu und anders zusammenmontiert. Die Körperfragmente stellt Rizzi zu durchrhythmisierten Kompositionen zusammen – auch die Bilder scheinen zu tanzen. luzi

Tempelhofer Ufer 6a (Kreuzberg), bei „Greb“ klingeln, Reservierung unter 0170-4464507, Performance u. Ausstellung, Fr und Sa, 20 Uhr.

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