Kultur : Kurzmeldungen

Denise Dismer

TANZ

Sommer, Sonne, Badestrand – der Urlaub ist vorbei. Zeit, ein wenig in Erinnerungen zu stochern. Erinnerungen an eine Welt, in der sich Mitreisende durch das charakteristische Schlapp-Geräusch ihrer Badelatschen ankündigen, das Essen auf Plastiktabletts serviert wird und einen die ständige Hitze irgendwann doch nervt. Diese Erinnerungswelt hat die Tanzgruppe MS Schrittmacher ins novemberliche Berlin geholt. In einer Blue Box sitzen sieben Tänzer auf einer weißen Kunststoffbank, an der Wand eine Leiste aus Dias, Lautsprecherbeschallung, gleißendes Neonlicht. Sieben Menschen in Freizeitkleidung, die sich ganz offensichtlich nicht füreinander interessieren. Sie warten, starren ins Leere, verknoten synchron die Hände, schlagen die Beine übereinander, kratzen sich an ihren Genitalien. Und als sich die Wartenden in eine Reisegruppe in Club-T-Shirts und Badehosen verwandeln, wird lediglich eines klar: Urlaub kann immer langweilig sein, auch wenn das Reiseziel noch so exotisch ist. Das Resümee nach 14 Tagen Dominikanische Republik: „Man spricht Spanisch“ und „Eines ist klar: Wir kommen wieder!“. „In ferne Süden“ ist die Demonstration von Urlaubsritualen: Da tanzt ein Mädchen verträumt zu „La Paloma olé“, ein anderes betrachtet schwärmerisch Dias, ein drittes posiert sexy mit entblößter Schulter für ein Foto. Ein Tanztheaterabend im Dock 11 (17. – 20. sowie 22. – 24.11. und 29.11. – 1.12., jeweils um 20 Uhr 30), der wohl bekannte Verhaltensweisen ad absurdum führt: Da entledigen sich drei Mädchen ihrer Bikinis und tanzen nur in rote Laken gehüllt. Und doch gilt die volle Aufmerksamkeit des Publikums einer Frau auf der weißen Kunststoffbank. Denn ihr gelingt es, ihren lindgrünen Trainingsanzug in eine perfekte Umkleidekabine zu verwandeln und ihren Bikini gegen einen monströsen Badeanzug einzutauschen, ohne den Blick auf ihre nackte Haut freizugeben. Denise Dismer

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