Kultur : Kurzmeldungen

Frank Noack

CITY LIGHTS

Drei Monate nach dem britischen Magazin „Sight & Sound“ präsentiert jetzt auch der „Focus“, wie gemeldet, eine Liste der besten Filme aller Zeiten. Bei den Spitzenreitern handelt es sich um die üblichen Verdächtigen – „Citizen Kane“ und „Vertigo". Dennoch unterscheidet sich die Umfrage von anderen durch das breite Meinungsspektrum. Neben Filmwissenschaftlern wurde auch der gewöhnliche Kinogänger berücksichtigt. Jede Stimme zählt, lautete die Devise. Und da die Umfrage in Deutschland gemacht wurde, finden einige deutsche Klassiker Erwähnung, die im Ausland niemand zu kennen scheint.

Leider war aber kein Platz für Konrad Wolfs Ich war neunzehn (1968), ein unaufdringlich pazifistisches Meisterwerk mit dem jungen Jaecki Schwarz. Er spielt einen deutschen Emigranten, der als Offizier der Sowjetarmee in seine Heimat zurückkehrt. Wolf verarbeitete darin seine Tagebuchaufzeichnungen aus dem Jahr 1945 (Freitag und Sonnabend im Babylon Mitte, mit englischen Untertiteln). Thematisch und stilistisch verwandt ist Anatole Litvaks Entscheidung vor Morgengrauen (1951), der ebenfalls von einem jungen Soldaten zwischen den Fronten handelt. Oskar Werner kehrt im Auftrag der Amerikaner ins noch nicht befreite Deutschland zurück, wo er für die Alliierten spionieren und die Stimmung unter der Bevölkerung erforschen soll. Völlig frei von Pathos, war auch dieser Film seiner Zeit weit voraus. Litvak war von Russland über Deutschland und Frankreich nach Amerika geflohen und ließ sich nach dem Krieg in Frankreich nieder. An Oskar Werners Seite sind Hildegard Knef, O.E. Hasse und Hans-Christian Blech zu sehen (Freitag und Sonnabend im Filmmuseum Potsdam).

Zu den großen Kosmopoliten des Kinos gehörte auch Lilli Palmer, die 1933 als Jüdin aus Deutschland fliehen musste, in England Karriere machte, am Broadway Shaws Cleopatra spielte und 1954 ein triumphales Comeback in Deutschland erlebte. Sie profilierte sich nebenbei noch als Malerin – und dürfte so die Dreharbeiten zur Künstlerbiografie Montparnasse 19 (1957) mit besonderem Interesse verfolgt haben. Sie verkörperte darin eine der Frauen im Leben des Malers Amedeo Modigliani, der im Januar 1920 mit nur 35 Jahren starb. Der Modigliani-Darsteller Gérard Philipe starb 1959 kurz vor seinem 37. Geburtstag. Und das Drehbuch stammt von Max Ophüls, der den Film ursprünglich auch inszenieren sollte; nach seinem Tod 1957 übernahm Jacques Becker die Regie (Montag bis Mittwoch im Filmmuseum Potsdam).

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