Kultur : Kurzmeldungen

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Juan Diego Florez:

Rossini Arias (Decca)

Auf einen wie ihn haben wir lange gewartet: Juan Diego Florez sieht auf der Bühne so blendend aus, wie er singt. Ein Koloraturfeuerwerker mit Sexappeal. Die CD transportiert zwangsläufig nur eine Ahnung seiner tenoralen Präsenz. Trotzdem: Jahresbestleistung.

Ravel: Sonates & Trios. Renaud und Gautier Capuçon, Frank Braley. (Virgin Classics)

Rhetorische Brillanz und feines Stilempfinden gelten in Frankreich auch in der Musik als Ausweis höchsten Geistesadels. Die CapuconBrüder und ihr Pianist beherrschen diese Kunst der Zwischentöne perfekt.

Round Midnight: Die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker (EMI Classics)

Diese Jungs können einfach alles: Nachdem sie zuletzt klanglich durch Südamerika getourt waren, machen sie sich nun den Sound der USA zu eigen – und verwandeln dabei Oldies in Virtuosen-Goldies.

Georges Bizet: Ivan IV. Orchestre National de France, Michael Schönwandt (Naive, Radio France)

Die CD mit der Wiederentdeckung von Bizets Oper sieht auch gut aus – sensationell aber ist der Inhalt: die glühend emotionale Musik eines jungen Mannes, der unbedingt zur Bühne will.

Barbara Bonney: „While I dream“.

Lieder von Liszt und

Schumann (Decca)

Barbara Bonney ist als Loreley Idealbesetzung: Diesem Charme widersteht keiner. Schon gar nicht, wenn sie Franz Liszts Version singt, der die Volkslied-Loreley ungeniert-genialisch zur Operndiva macht.

„Spötterdämmerung“, der 2. Akt (BMG Ariola)

Hörstürze mit Pointen: Bei manchen Sketchen auf dieser von der Zeitschrift FonoForum zusammengestellten CD dürfen Klassikfans wirklich lachen. Die übrigen beweisen: Nichts ist schwerer, als musikalisch witzig zu sein.

Halévy: „La Juive“.

Wiener Staatsoper,

Simone Young (RCA)

Wenn der Frust über die endlose Berliner Opernkrise allzu schlimm wird, hilft très grand opéra live aus dem letzten Musentempel, wo man keine Selbstzweifel kennt: Halévys 1835er Mittelalterschocker mit dem fantastischen Neil Shicoff.

Classic meets Cuba (Sony)

Wer’s nicht gehört hat, wird’s nicht glauben: Wenn Klassikhits auf südamerikanische Rhythmen treffen, kann es tatsächlich funken – vorausgesetzt, Menschen mit Witz und Gespür für beide Stilebenen sitzen an den Instrumenten.

Benjamin Britten: „The Turn of the Screw“. Mahler Chamber Orch., Daniel Harding.

Weil sich meine Mutter im Gegensatz zum Großteil des Berliner Publikums für Musik des 20.Jahrhunderts interessiert, ist Daniel Hardings feinnervige Interpretation genau das Richtige.

Anne-Sophie Mutter spielt Beethovens Violinkonzert (Deutsche Grammophon)

Das ideale Präsent für den Feind: Wahrscheinlich merkt der Typ gar nicht, was er da in den Händen hält – und findet die vorgetäuschte Emotion der Mme. Mutter auch noch toll!

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