Kultur : Kurzmeldungen

Die Akademie der Künste muss noch länger auf ihren Neubau am Pariser Platz warten. Doch in dieser Übergangszeit stehen gewichtige Neuorientierungen an Still in der Ecke

Bernhard Schulz

Es ist still geworden um den Neubau der Akademie der Künste am Pariser Platz. Baufortschritte sind so recht nicht zu erkennen; aber irgendwie, so scheint es, hat sich die Öffentlichkeit daran gewöhnt, dass die Eck- Lücke zwischen DG-Bank und Hotel Adlon weiterhin unbelebt bleibt.

Dabei soll sie doch künftig ein zumindest selbstbewusstes Haus zwischen ihren beiden architektonisch so gegensätzlichen Nachbarn sein. Altmeister (und Akademie- Mitglied) Günter Behnisch entwarf den Bau gegen alle seinerzeit noch sakrosankten Gestaltungsrichtlinien mit viel Glas, und die Akademie, ihres Ausnahmestatus’ wohl bewusst, konnte sich gegen den widerstrebenden Senatsbaudirektor durchsetzen.

Was seither geschah, ist weniger spektakulär. Dabei trifft die Akademie keine Schuld: Es war der Senat, der den Vertrag mit dem Generalübernehmer schloss und seither die beständig vorgebrachten Nachforderungen zu bewältigen hat. Die Baugeschichte, wie sie die Akademie vorlegt, liest sich als chronique scandaleuse derjenigen Art, wie sie seit uralten West-Berliner Zeiten geläufig ist. Die Fertigstellung wird unterdessen nicht mehr für das anbrechende Jahr 2003, sondern erst für 2004 vermutet. Große Ungeduld ist darob aus der Akademie nicht zu vernehmen. Sie hat ihre Probleme, mit der Idee der „Akademie in zwei Häusern“ zu Rande zu kommen. Erst im November hat ihr im kommenden Jahr scheidender Präsident György Konrád die Frage nach dem Sinn dieses doppelten Domizils ausführlich zu beantworten gesucht – dabei allerdings die Messlatte für das zukünftige Tun und Treiben am Pariser Platz so hoch gelegt, dass ein Vergleich mit dem gegenwärtigen Erscheinungsbild der Institution wenig schmeichelhaft ausfällt.

Leises Werben um den Bund

Die Akademie der Künste befindet sich in jeder Hinsicht in einem Übergangszustand. Sie wartet auf ihr neues Haus und muss zugleich für ihr angestammtes und gern bewohntes Haus am Tiergartenrand eine neue Zweckbestimmung finden. Sie wird sich in absehbarer Zeit einen neuen Präsidenten wählen müssen, obwohl sie ihren wortmächtigen Amtsinhaber gerne behielte. Über die wie stets komplizierte Kandidatensuche schweigt sich Präsidialsekretät Gerhard Hannesen aus; die Mitglieder bilden eine in solchen Dingen höchst sensible Sozietät.

Und die Akademie muss sich womöglich auf einen geänderten Finanzierungsmodus einstellen. Längst nämlich zählt das notleidende Land Berlin sie zu jenen Einrichtungen, die es zur eigenen Entlastung dem Bund andienen möchte. Der Gesamthaushalt der Akademie, der künftig einschließlich der Betriebskosten des Neubaus am Pariser Platz knapp über 13 Millionen Euro betragen soll, fällt zwar weit weniger ins Gewicht als der eines Opernhauses. Anders als bei den Musiktheatern hingegen gibt es bei der Akademie keinen Zweifel, dass sie als eine gesamtstaatliche Einrichtung gelten kann. Die Kulturpolitiker des Bundestages halten sich in dieser Frage noch bedeckt; sie wollen die Erneuerung des Hauptstadtkulturvertrages abwarten und einen Überblick gewinnen, was das Land sonst noch abgeben möchte. Dass aber eine Diskussion um die kulturelle Präsenz des Gesamtstaates in Berlin ansteht, ist allen beteiligten Politikern wohl bewusst.

Als nationale Einrichtung sieht Präsident Konrád seine Akademie ohnehin. Seinem November-Papier zufolge kommt der Akademie die Aufgabe zu, „unabhängigem, künstlerischem und politischem Denken in der freien Republik ein angesehenes Podium zu verschaffen“. Es ist die Magie des Pariser Platzes, die die geistig-gesellige Zukunft der Akademie in hellstem Licht erstrahlen lässt.

Ist ihr Neubau denn für diese Aufgabe entworfen worden? Darüber kann man geteilter Ansicht sein. Den größten Raum nimmt die Unterbringung der Archive ein, die nach der durchgreifenden Umplanung des Bauentwurfs nunmehr zwölf Meter in die Erde gegraben wurden. Auf dem teuersten Baugrund Berlins Archivkeller anzulegen, wird der Akademie seither gern vorgehalten – ohne zu berücksichtigen, dass die Archive, die doch unverzichtbares Arbeitsmaterial und ständig aufgefrischtes Gedächtnis der Institution sind, ursprünglich die Obergeschosse an der nun kupierten Gebäuderückseite einnehmen sollten. Der Bedeutung der Archive halber kommt für die Akademie die auch schon vorgeschlagene Übergabe an den Bund ohnehin nicht in Frage.

Das Elend begann mit der „Deckelung“ der Bausumme – einer Bausumme, die von vorneherein auf politische Zustimmung heruntergerechnet worden war. Der Behnisch-Entwurf, so ist aus der Akademie zu hören, hätte mit 120 Millionen Mark Baukosten angesetzt werden müssen. Tatsächlich wurde er vom Berliner Abgeordnetenhaus mit 80 Millionen Mark abgesegnet. Auf diesen, bei der Auswahl des Generalübernehmers nochmals knapp gesenkten Betrag wurde die Summe „gedeckelt“ – mit der Maßgabe, den rückwärtigen Bauteil zu vermieten (er musste, weil das nicht zu bewerkstelligen war, veräußert werden), und der vorhersehbaren Folge, dass Detail um Detail abgespeckt werden muss, wie erst im November die Einrichtung einer black box und eines Regieraums, bis die Akademie 2004 nurmehr die Light-Version ihres Traumhauses erhalten wird. Brandbriefe gingen hin und her, jetzt ringt die Akademie darum, zumindest die baulichen Voraussetzungen für eine nachträgliche Einfügung der anfangs vorgesehenen Ausstattungen zu gewährleisten.

Wenig zu hören war in jüngster Zeit auch vom renommierten Freundeskreis der Akademie. Die 1999 gegründete und im Jahr darauf in Anwesenheit und unter dem moralischen Schirm des Bundespräsidenten versammelte „Gesellschaft der Freunde der Akademie der Künste“ will nicht nur materiell helfen, sondern auch für den gesellschaftlichen Rahmen bürgen, in dem sich die Akademie am Pariser Platz zu präsentieren hofft.

Nun bleibt den Akademie-Mitgliedern mehr als ein Jahr Zeit, auf eine veränderte Aufgabenstellung, aber auch eine verstärkte öffentliche Aufmerksamkeit für das neue Domizil hinzuarbeiten. Sie müssen ihre Hausaufgabe nur endlich beherzt anpacken.

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