Kultur : Kurzmeldungen

Silvia Hallensleben

CITY LIGHTS

Alle Jahre wieder: Wenn die Berlinale bewältigt ist, wird es plötzlich Frühling in Berlin. Zeit fürs erste Großreinemachen. Manche lassen lieber putzen. Und viele putzen für andere, meist sind es Frauen. Das Arsenal stellt nun in einer kleinen Reihe all die Arbeiten der letzten Jahre zusammen, die – von Marie-Line bis Der Glanz von Berlin – der professionellen Reinigungstätigkeit ein filmisches Denkmal setzen. Nun, fast alle: Peter Timms peinliche Putzfraueninsel etwa bleibt freundlicherweise ausgespart. Den Auftakt macht Samstag und Sonntag Anam (2001) von der Hamburger Filmhochschulabsolventin Buket Alakus: Mit Witz und Verve erzählt der Film vom Kampf eines multikulturellen Raumpflegerinnen-Trios gegen Familienprobleme, Kollegenfrust und Drogensucht. Hauptdarstellerin Nursel Köse übrigens schien der Regisseurin beim Casting viel zu mondän für die Rolle als türkisches Mütterlein auf dem Selbstfindungs-Weg, dann wurde sie noch einmal eingeladen, musste mit Kopftuch und Hängemantel posieren: Und siehe da … Natürlich auch dabei ist Ken Loachs Bread and Roses (Dienstag), der die Underdogs der Dienstleistungsgesellschaft mitten in den Arbeitskampf führt. Ein typischer Ken-Loach. Und Los Angeles einmal ganz anders.

Gegen das Aufräumen steht das Sammeln. Nichts ist für eine Putzfrau härter, als in einem Haushalt zu schuppern, in dem statt Kamm und Kernseife Legionen von Miniatur-Flacons das Waschbecken bewachen und im Kinderzimmer eine fragile Gummitier-Sammlung der Verstaubung harrt. Sammler rarer Filmkopien sind vermutlich von ähnlichen Obsessionen angetrieben, doch die Objekte ihrer Sammelwut sind immerhin ordentlich archivierbar und können auch Fremden zur Freude dienen. Der US-amerikanische Filmsammler Jan Wahl ist ein Veteran der Zunft und seit vielen Jahren Stammgast im Arsenal. Viele Raritäten aus der Frühzeit des Kinos hat er in seiner Sammlung geborgen. So etwa Tumbleweeds (1925): ein großer Western aus der Frühzeit des Genres und zugleich der letzte Film eines der größten Stars dieser Epoche, „The Good-Badman“ William S. Hart. „Tumbleweeds“ wird zum Auftakt von vier Abenden von und mit Jan Wahl am Mittwoch im Arsenal vorgeführt.

Stalins „Säuberungspolitik“ übertrug den Begriff metaphorisch auf den politischen Bereich, auch wenn das „Tauwetter“ erst später kam. Das Babylon-Kino, traditionell dem osteuropäischen Kulturschaffen verpfllichtet, widmet sich seit Januar in einer langfristigen Reihe dem bedeutenden „Jahr 1953“. Am Abend des 5. März 1953 starb Stalin im Kreml an einer Gehirnblutung. Eine knappe Stunde vorher hatte auf gleiche Weise ein anderer Mann sein Leben ausgehaucht, das mit dem des Dikators auf vielfältige Weise verschlungen war – der Komponist Sergej. Prokofjew. Der war ausgerechnet 1936 aus dem Exil in die Sowjetunion zurückgekehrt, wo er zum stalinistischen Vorzeigekünstler avancierte und 1939 eine Kantate zum 60. Geburtstag des Diktators komponierte. Wiederholt arbeitete er auch mit Sergej Eisenstein zusammen, bis zu „Iwan, der Schreckliche“, seinem letzten Film. Eisensteins erster Tonfilm Alexander Newski ( 1938) steht mit einer komplexen Wort-Musik-Film-Kombination im Zentrum einer Unterabteilung der 1953er-Reihe, die dem Verhältnis des Tonkünstlers zu seinem Diktator gewidmet ist. Die Einführungsworte spricht die Filmwissenschaftlerin Katja Petrowskaja. Zur künstlerischen Einstimmung wird der in Berlin lebende rumänische Pianist Michael Abramovich Prokofjews Klaviersonate Nr. 6 in A-Dur aus dem Jahr 1949 zur Aufführung bringen. Danach gibt es den Film, am Mittwoch im Babylon-Mitte.

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