Kultur : Kurzmeldungen

Frank Noack

CITY LIGHTS

Über ein Jahr ist Hildegard Knef jetzt tot, und noch immer wurde ihr keine umfangreiche Filmreihe gewidmet. Dabei hatte sie, bevor sie als Sängerin zur spröden Diva wurde, zunächst als Filmstar Weltruhm erlangt. Ohne ihre Auftritte im deutschen Nachkriegskino wäre sie schließlich niemals von David O. Selznick nach Hollywood geholt worden, hätte sie niemals Cole Porter oder auch Henry Miller kennen gelernt. Sie sei ein Fremdkörper, eine Außenseiterin in der biederen Adenauer-Ära gewesen, beklagen sich ihre Fans. Natürlich war sie das, aber gerade diesem Umfeld verdankte sie ihre Wirkung. In den wilden Sechzigern hätte sie wohl keinen vergleichbaren Eindruck mehr hinterlassen können.

Die Geringschätzung ihrer Filme basiert überwiegend auf Unkenntnis. Selbst Fedora ist wenig bekannt, dabei hat der weltberühmte und weltbeliebte Billy Wilder Regie geführt. Als der Film 1978 in die Kinos kam, wurde ihm Anachronismus vorgeworfen. Durchaus zu Recht – aber wen kümmert es heute noch, wenn 1978 etwas als anachronistisch galt? Die Titelheldin Fedora gibt es in zweifacher Ausfertigung: Die Diva lässt sich, als sie sich wegen ihrer Falten nicht mehr der Öffentlichkeit präsentieren will, von ihrer Tochter vertreten. An der Aufgabe, die eigene Mutter spielen zu müssen, zerbricht die junge Frau. Marlene Dietrich hat den Part der alten Fedora, der dann an die Knef ging, empört abgelehnt. Marthe Keller ist als junge Fedora zu sehen, freilich mit Knefs Stimme. Ein komplizierter, niemals konfuser Film ist Wilder gelungen, mit Altstars wie William Holden und Henry Fonda sowie schönen Ansichten von Korfu (Mittwoch im Filmmuseum Potsdam).

Der Klassiker über alternde Diven bleibt Wilders Boulevard der Dämmerung , in dem sich William Holden als verkrachter junger Drehbuchautor von dem zurückgezogen lebenden Stummfilmstar Gloria Swanson aushalten lässt (Montag bis Mittwoch im Filmkunst 66). Merkwürdig, dass Filmemacher sich so gern mit alternden Schauspielerinnen und ihren hysterischen Ausbrüchen befassen. Haben männliche Stars kein Problem mit dem Altwerden? Erwiesen ist: Der Mann altert problemlos, wenn er kernig-rauh wie John Wayne auftritt oder ein Komiker ist wie Bob Hope. Schwerer haben es die hübschen Jünglinge, die Romeos, die zierlichen Teenie-Idole. Stellen wir uns lieber nicht vor, was für Rollen Leonardo Di Caprio mit vierzig angeboten werden dürften. James Dean ist rechtzeitig verunglückt, und sein deutsches Pendant Horst Buchholz musste sich immer wieder von neuem selbst erfinden, was ihm mit Anstand gelungen ist. An seine frühen Karrierehöhepunkte wird in dieser Woche gleich mit zwei Filmen erinnert. Kurt Hoffmanns Thomas-Mann-Adaption Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull (1957) gewann einen Golden Globe als bester Auslandsfilm und ebnete ihm den Weg nach Hollywood (Sonnabend in der Urania). Dort musste er keine Deutschen spielen, weil er eher südländisch aussah, und machte eine gute Figur in John Sturges Western-Klassiker Die glorreichen Sieben (1960). Das ist der Film mit der „Marlboro“-Musik. Komponiert hat sie Elmer Bernstein, mit 80 Jahren immer noch aktiv (er hat auch die Musik zu Todd Haynes’ „Dem Himmel so fern“ geschrieben), anders als die glorreichen Sieben, die bis auf Charles Bronson und Robert Vaughn nicht mehr unter uns weilen: Steve McQueen, Yul Brynner, James Coburn, Brad Dexter – und eben Hotte. Der erlebt dafür im Film ein Happy-End und kriegt das Mädchen (Sonnabend in den Eva-Lichtspielen).

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