Kultur : Kurzmeldungen

Silvia Hallensleben

CITY LIGHTS

Eigentlich ist der Mai die Jahreszeit, die Mensch und Hund in milden Nächten ins Freie treibt. Doch die Kinomacher zeigen keine Rücksicht auf unsere Outdoor-Gelüste und versuchen geballt, uns mit immer aufwendigeren Reihen und Festivals in ihre dunklen Kammern zu bannen. Mit dem Gaga-Medienfest zum Thema Behinderung etwa, das zum dritten Mal stattfindet und mit jeder Ausgabe kräftig expandiert. Neben einer umfassenden Filmreihe sind auch Workshops und Vorträge etwa zu „Behinderung in TV-Soaps“ oder „Disneys behinderten Helden“ im Programm. Oder ist Ihnen nie aufgefallen, dass Peter Pans bezaubernde Gefährtin Tinker Bell nicht sprechen kann? Können Feen behindert sein? Aus dem Filmprogramm sei hier auf „Ich kann das schon“ der Berliner Regisseurin Heide Breitel hingewiesen, die über anderthalb Jahre lang die Sprachentwicklung dreier Kinder mit Trisomie begleitet hat und dabei eine spezifisch entwickelte Lernhilfe vorstellt: die Methode der gebärdenunterstützten Kommunikation. Ein Film über das Lernen, der nicht nur für Eltern interessant sein dürfte. Montag und Mittwoch im Eiszeit in Anwesenheit der Regisseurin. ( www.gaga-filmfest.de )

Schon eine Institution ist mittlerweile das Black International Cinema , das seit 18 Jahren Spiel- und Dokumentarfilme zeigt, die sich mit der Vielfalt menschlicher Kulturen beschäftigen. Trotz eines Schwerpunkts auf afro-amerikanischen Themen ist dabei die Hautfarbe nicht das alleinige Kriterium. So steht neben der Aufstiegsgeschichte einer Friseuse von der Elfenbeinküste „Le pari de l’amour“ (R: Didier Autor) Sergio Girals „Chronicle of an Ordinance“ auf dem Programm – ein Film, der den Kampf um die Aufnahme der „sexuellen Ausrichtung“ als Kategorie in das Antidiskriminierungsgesetz eines amerikanischen Landkreises schildert. Im Klick von Donnerstag bis Sonntag. ( mehr unter www.black-international-cinema.com )

Um interkulturelle Missverständnisse geht es auch in dem satirischen belgischen Spielfilm Hop von Dominique Standaert, der mit Charme und Witz von den Versuchen eines burundischen Flüchtlingsjungen in Brüssel erzählt, den abgeschobenen Vater mit dem Einsatz von Dynamit und pygmäischem Voodoo-Zauber zurückzupressen. Ein alter Anarchist, dessen Freundin und der afro-belgische Fußballstar Emile M’Penza stehen ihm dabei tatkräftig bei. Außer seinem intelligenten Spiel mit Stereotypen und Vorurteilen besticht der Film auch durch seine brillante Schwarzweißfotografie. „Hop“ läuft am Samstag im Arsenal im Rahmen der Reihe French Fries , die neue französischsprachige Filme aus Belgien vorstellt. Bemerkenswert sind sie alle. Und die meisten sogar in Farbe.

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