Kultur : Kurzmeldungen

Frank Noack

CITY LIGHTS

Dem deutschen Film geht es, abgesehen von Ausnahmen, bekanntlich nicht gold – da kommt eine Plattform für den Nachwuchs gerade recht. Die Veranstaltungsreihe Probelauf in der Akademie der Künste stellt traditionsgemäß Produktionen der Berlin-Brandenburger Filmhochschulen HFF und dffb vor – und wiederum ist eine ausländische Filmhochschule zu Gast, diesmal die Filmabteilung der Kunsthochschule Helsinki. Bei allem Respekt vor Aki Kaurismäki: Die Finnen haben ein Anrecht darauf, vielseitiger repräsentiert zu werden. Deutschland ist unter anderem mit Robin von Hardenbergs The Shadow vertreten, der letztes Jahr eine Oscar- Nominierung als bester Kurzfilm erhalten hat, und mit drei Werken, die soeben in Cannes zu sehen waren. In den Pausen spielt die finnische Rockband Kuusimäki, zu deren Repertoire kommunistische Liebeslieder gehören. Sitzfleisch ist erforderlich: Die Veranstaltung beginnt am Freitag um 18 Uhr und dauert bis etwa zwei Uhr nachts. (Studio der Akademie der Künste, Hanseatenweg 10)

Wie Nachwuchstalente kommen sich etablierte Regisseure vor, wenn sie aus Karriere- oder politischen Gründen ins Ausland gehen. Das Polnische Filminstitut Berlin stellt in seiner Reihe Out of Poland Krzysztof Kieslowski, Agnieszka Holland, Andrzej Zulawski, Walerian Borowczyk und Roman Polanski mit Arbeiten vor, die außerhalb ihrer Heimat entstanden sind. Ein Muss für Liebhaber der Swinging Sixties ist Jerzy Skolimowskis Deep End (1970), den der Pole mit deutschem und amerikanischem Geld in London gedreht hat: Ein 15-Jähriger, der in einem Hallenbad arbeitet, verliebt sich dort in eine 22-jährige Frau. Sie spielt mit seinen Gefühlen und löst eine Katastrophe aus. Die Musik haben Cat Stevens und The Can beigesteuert (Freitag im Babylon Mitte).

Nachwuchs, die dritte: In der westdeutschen Filmbranche der fünfziger Jahre konnte sogar der 39-jährige Regisseur Georg Tressler glaubhaft – etwa mit den „Halbstarken“ – noch die Rolle des jungen Wilden übernehmen. Am Sonntag wird der 86-jährige Regisseur persönlich im Babylon Mitte erscheinen. Aus diesem Anlass sind zwei vergessene Werke zu sehen, die ihm besonders am Herzen liegen: Der Weibsteufel (1966) ist ein kitschfreier Heimatfilm, der den Fans von Opas Kino zu modern und den Anhängern des Neuen Deutschen Films zu veraltet erschien. Zu Sukkubus (1987) notiert das Lexikon des internationalen Films: „Auf einer abgelegenen Alm bilden zwei Männer und ein Junge aus Wurzelwerk ein Weib, das zum Leben erwacht und die Männer vernichtet, weil es der Teufel selbst ist.“ Ein Weibsteufel-Doppelprogramm!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben