Kultur : Kurzmeldungen

In der Villa Massimo in Rom wird ein neues Kapitel bundesdeutscher Kunstförderung aufgeschlagen Leben, lieben, lachen

Henning Klüver

Das Warten hat sich gelohnt: Die Deutsche Akademie Villa Massimo in Rom, die Ende 1999 wegen Umbau- und Renovierungsarbeiten geschlossen werden musste, strahlt in neuem Glanz. Fünf Millionen Euro hat der Bund aufgebracht, um diese traditionelle, 1913 vom Industriellen Eduard Arnhold gestiftete Einrichtung zur Förderung junger deutscher Künstler herzurichten. Bereits im Februar waren elf Stipendiaten in die Ateliers im herrlichen Park der Villa für einen einjährigen Aufenthalt eingezogen, darunter die in Berlin lebenden Stefan Streich (Komposition), Thomas Demand (Bildende Kunst) und Imke Woelk (Architektur).

Bei der Renovierung verbesserte man nicht nur die Statik der Gebäude, legte alten Wandverputz frei, schuf neue Atelierwohnungen mit Internetanschluss - die ganze Einrichtung wurde vom Zuständigkeitsbereich des Innenministeriums in den der Kulturstaatsministerin verschoben, wo sie auch hingehört. Jahrzehntelang ist in Deutschland Kulturpolitik auf Bundesebene wegen der Länderkompetenzen nur mit schlechtem Gewissen geführt worden, und die Villa Massimo konnte als Ausdruck dieser Verlegenheit gelten. Von den Ländern finanziert, vom Bund verwaltet, gab es in der Nachkriegsgeschichte mehr als einmal Differenzen um die wichtigste nationale Förderungseinrichtung deutscher Künstler im Ausland, die sich in Rom etwa mit der Französischen Akademie in der Villa Medici messen lassen musste.

Hinzu kamen kulturelle Verschiebungen: Das museale Rom, das in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts seinen Anschluss an die moderne europäische Kulturszene buchstäblich verschlafen hatte, und ihn erst jetzt langsam wieder findet, wirkte auf junge Künstler eher abschreckend als anregend. Vom Bildungsanspruch und den Erinnerungen an Goethe, Tischbein oder Angelika Kaufmann blieb nur provinzielle Tristesse, wo „altes Zeitungspapier über 3000 Jahre weht“, wie Rolf Dieter Brinkmann, der größte Romkritiker unter den Stipendiaten, es formulierte.

So hat man gut daran getan, mit neuer Leitung nach einer veränderten Konzeption zu suchen. Ziel sei es, sagte Kulturstaatsministerin Christina Weiss bei der Eröffnung, „hochbegabte Künstlerinnen und Künstler durch einen Studienaufenthalt in Rom so nachhaltig zu fördern, dass ihnen nach ihrer Rückkehr nach Deutschland der Durchbruch erleichtert wird“. Die Künstler erhalten jetzt höhere Stipendien (2500 Euro im Monat vom Bund). Die Vorauswahl wird auf Länderebene betrieben, die endgültige Auswahl bestimmt eine Jury (zu der unter anderen der Kunstprofessor Veit Loers, der Architekt Thomas Herzog und der Schriftsteller und Verleger Michael Krüger gehören), die bei der Kulturstiftung der Länder angesiedelt ist.

Der neue Akademie-Direktor Joachim Blüher, ein Kunsthistoriker und ehemaliger Galerist aus Köln, ist gerade tatkräftig und fantasiereich dabei, die Vernetzung der Künste untereinander zu stärken und Knotenpunkte mit der italienischen Szene zu suchen. Er kann außerdem Ehrengäste einladen (in diesem Jahr u.a. Christoph Meckel, Robert Gernhardt oder Arnulf Baring), die für eine kurze Zeit in der Villa leben und sich mit den Stipendiaten austauschen. Ohne feste Programmschemata setzt Blüher auf die Spontaneität von Begegnungen und Grenzüberschreitungen. Kleine Ausstellungen – zur Eröffnung Künstlerporträts von Benjamin Katz –, Konzerte, Lesungen, Diskussionen, Feste: Rom kann von einer lebendigen deutschen Kultureinrichtung mindestens ebenso profitieren wie die Stipendiaten von den idealen Arbeits- und Lebensbedingungen, die die Stadt bieten kann, wenn man sich auf sie einlässt. Der Start der Villa Massimo in ein neues Jahrhundert ist jedenfalls gelungen.

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