Kultur : Kurzmeldungen

Silvia Hallensleben

CITY LIGHTS

Unter Filmkritikern ist das Nacherzählen von Filmen streng verboten, auch wenn es hin und wieder dennoch geschieht. Und auch im Amateurbereich sind jene Zeitgenossen gefürchtet, die ihre Lieblingsmeisterwerke einem unwilligem Publikum immer wieder in breiter Detailtreue rekapitulieren. Was aber passiert, wenn man das verschmähte Genre einmal bewusst zum Stoff ästhetischer Wahrnehmung macht? Eine gemeinsame Unternehmung des Arsenal-Kinos mit dem Ersatzstadt-Projekt der Volksbühne macht das Nacherzählen von Filmen jetzt eine Woche lang zum öffentlich-rundfunklichen Format. Sechs Filme werden hier noch bis zum Sonnabend jeweils erst nachmittags auf dem nur für diese Woche eingerichteten Sender Ersatzradio wortreich präsentiert und am Folgetag zur geflissentlichen Kontrolle im Arsenal gezeigt. Experimentelles steht dabei neben Tarkowskis Stalker, als Filmerzählerin kommt eine ukrainische Filmstudentin ebenso zum Einsatz wie der Schauspieler Hanns Zischler. Besonderes Interesse bei Freunden des Hauses dürfte dabei das Programm von Donnerstag zu Freitag wecken, wo sich die Arsenal-Gründer Erika Gregor und Ehemann Ulrich – ein anerkannter Meister des trockenen Humors – ein Doppel liefern. Talk-Stoff ist Ning Yings Spielfilm Auf der Wache (On the Beat), der in pseudodokumentarischer Manier vom Alltag einer Pekinger Polizeiwache berichtet. Donnerstag gegen 17 Uhr auf Antenne UKW 104,1 – und Freitag im Arsenal.

Die Fans der Berliner Band „Die Ärzte“, die Eva-Maria Weerts in ihrer Dokumentation Wir wolln die Ärzte sehn vorstellt, kennen die Songs ihrer Helden auswendig – und reisen, wie Katrin und Nuria und Silvia und Zora, den Jungs auch bis Tokio hinterher. Und wenn sie dann im Publikum stehen, bilden sie sich schon einmal ein, der smarte Bela haben nur ihnen bei einer bestimmten Passage ein ganz persönliches Lächeln geschenkt. Und ein gemeinsames Foto backstage ist auch noch auch drin. Was die Girls an den Jungs bewundern? Vor allem, dass sie es geschafft haben, sich dem Trott von Achtstundenjob, Feierabend und Jahresurlaub zu entziehen. „Wir wolln die Ärzte sehen“ läuft Donnerstag und Sonnabend im Babylon-Mitte, am Donnerstag in Anwesenheit von Regisseurin und Protagonistinnen.

In ihren güldenen Jahren sind auch die Golden Feminists noch nicht angekommen. Entstanden an der Berliner Filmhochschule dffb, umfasst das Netzwerk über 100 Frauen aus allen Bereichen der Filmbranche – gegründet mit dem Ziel, „die Arbeit von Frauen nach vorne zu bringen“. Am Mittwoch gibt es ein Kurzfilmprogramm im Arsenal mit Regiearbeiten von Maren Kea-Freese, Sophie Heldmann oder Nathalie Percillier, deren Bloody Well Done (1994) schon fast ein Klassiker des post-feministischen Animationsfilms geworden ist.

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