Kultur : Kurzmeldungen

Das Radio treibt sie auf die Straße: Als die Arbeiter am Morgen des 17. Juni 1953 in Bitterfeld, Merseburg und in Berlin vom Streikaufruf erfahren, sind sie nicht mehr zu halten. In seinem noch unvollendeten Roman beschreibt Erich Loest die Eigendynamik dieses Sommertags. Ein Vorabdruck Jetzt artet die Sache aber deutlich aus

Erich Loest

Hartmut Brücken schob die Bettdecke von Brust und Schultern, nassgeschwitzt waren sie wie das Hemd. Frontbogen von Witebsk. Durchbruch links, nach einer halben Stunde war seine Stellung bloß noch eine Insel. Die Knie anziehen, die Hände hinter dem Kopf verschränken, eine Minute liegen bleiben. Der erste Gedanke: Das Bett neben ihm leer, Claudia war schon aufgestanden.

Der Himmel taghell, die Luft frisch, einige Minuten vor halb fünf. Die Vögel lärmten nicht mehr so wie vor Wochen; ihre Reviere waren abgesteckt. Claudia deckte den Frühstückstisch – gut geschlafen? Er wusch sich am Becken in der Küche und griff zu seinem Handtuch am Bord darüber, das dritte von links. Schritte auf der Treppe, Mannschatz trug noch das Nachthemd mit einer Arbeitshose darüber. Nach dem Morgengruß begann er sofort: Wille-Paul, der Nachbar, habe abends gegen zehn ans Fenster geklopft, da habe Hartmut schon geschlafen. Aus dem RIAS habe er durch das Pfeifen der Störsender hindurch Brocken vernommen, auf der Berliner Stalinallee sei massiv gestreikt worden, vor dem Haus der Ministerien wäre es zu Zusammenrottungen gekommen. Brücken fand seinen Schwiegervater ungewohnt aufgeregt, das hatte er am frühen Morgen selten erlebt. Zusammenrottung? Von wem und von wie vielen? Das hätte Wille-Paul nicht gewusst.

Während Brücken Kaffeewasser aufsetzte, schaltete Mannschatz das Radio ein. Militärisch die Stimme eines Sprechers, der den Wetterbericht wie eine Frontmeldung bot. Heute sei Mittwoch, der 17. Juni 1953, die Wetterlage von einem Hoch beherrscht, das nach Osten abzöge, mittags und nachmittags kämen Quellwolken auf, Gewitter möglich. Drei Worte selbst übers Wetter genügen für Brücken, um unterscheiden zu können: Ost oder West.

Mannschatz drehte weiter: „... etwa dreitausend Parteiaktivisten und Funktionäre, zu denen Ministerpräsident Otto Grotewohl sprach. Seine Ausführungen beschäftigten sich mit den Methoden des Administrierens, der polizeilichen Eingriffe und der unberechtigten Schärfe der Justiz, die schöpferische Kräfte des Volkes erstickten. Das zeige die Entwicklung der letzten Monate: Verschlechterung der Versorgung, die zerstörende Wirkung auf Einzelhändler und Mittelstand, die Flucht von Bauern nach ...“

Sachte nach links, Störsender, sachte zurück: „Die Vorhut der deutschen Arbeiterklasse, Genossen, wir müssen es eingestehen, hat sich von den Massen gelöst.“

Zwei Scheiben Brot mit Sirup aß Brücken wie jeden Morgen, zwei Scheiben mit Hefeaufstrich packte er in seine Büchse. Claudia zog die Strickjacke an, streichelte ihm über die Wange – mach’s gut, mach’s du auch gut. Gebückt stand Mannschatz vor dem Radio, alles Gefühl in den Fingern konzentriert. Bisweilen musste er noch nicht einmal drehen, Druck auf den Skalenknopf genügte. „... die Worte des DGB-Vorsitzenden von Berlin, Scharnowski: Die gesamte ost-berliner Bevölkerung darf deshalb auf die stärksten und erfolgreichsten Gruppen der ost-berliner Arbeiterbewegung vertrauen. Tretet darum der Bewegung der ost-berliner Bauarbeiter, BVGer und Eisenbahner bei und sucht eure Strausberger Plätze überall auf! Je größer die Beteiligung ist, desto machtvoller und disziplinierter wird die Bewegung für euch mit gutem Erfolg verlaufen!“

„Dort fängt die Stalinallee an.“

Die Oststimme: „... Grüppchen von Elementen, die aus West-Berlin eingedrungen sind, Provokateure, die von unserer Volkspolizei und staatsbewussten Werktätigen zerstreut ...“

„Ich muss los, Vater.“

Der vergessene Kuss

Hartmut Brücken zog sein Fahrrad aus dem Schuppen. Noch im Hof hörte er das Zufallen des Gartentors und winkte Claudia nach. Diesen Augenblick suchte er sich in den kommenden Monaten unzählige Male vorzustellen, abends vor dem Einschlafen, morgens nach dem Wachwerden, im Zug auf der Fahrt über die Rheinbrücke, oder wenn er auf die Mess-Skalen der ihm anvertrauten Apparate blickte. Blau die Augen und voller Frische, die Bluse weiß mit zarten Pünktchen, abgenutzt an der Kragenkante – er würde Claudia hundert schöne neue Blusen schenken. Das Haar aus der Stirn gekämmt, er malte sich aus, ihre Stirn zu küssen und das Haar zu streicheln und über die Augen zu legen, es wegzublasen. Nach Claudias Brust sehnte er sich wild und wollte sie auf seinem Gesicht spüren, über sich, im Bett und unter der Dusche, am Geländer eines Weges hoch über der Ahr, dem Rotweinweg. Claudia, den Kinderwagen schiebend, und immer lachte sie in seinen Träumen mit glatten weißen Zähnen. Er küsste sie nicht; noch nach Monaten wusste er, dass er sie nicht geküsst hatte bei diesem Abschied, sie wussten ja nicht, konnten nicht wissen, dass sie sich auf unendliche Zeit zum letzten Mal sehen, dass sie sich hätten küssen müssen. Also mach’s gut.

Was sollte sie gut machen, alles, das Kind auf die Welt bringen und mit dem Fürchterlichen fertig werden, dem Gefängnis, das er sich nicht vorstellen konnte und nie ausmalte. Mit einer Hand am Lenker, mit der anderen hielt er das Tor auf, und als er sich umblicke, war Claudia um die Ecke verschwunden. Darauf besann er sich, als er anderthalb Jahre später bei Renate saß, der Leutnantswitwe, oder war ihr Mann noch am Leben in einem sibirischen Schweigelager, oder waren diese Lager eine Erfindung des Hasses und der Hoffnung – als er ihren beiden Jungen, von denen einer so alt war wie Thomas, aus einem Buch von Erich Kästner vorlas, als ihm einfiel, dass er nie erfahren hatte, ob Thomas an diesem Morgen zur Schule gegangen war, und es war nicht wichtig genug, in einem Brief danach zu fragen, und Alfred, sein Schwiegervater, hatte bei seinem Besuch natürlich von ganz anderen Dingen geredet.

Er radelte aus der Siedlung heraus aufs Kombinat zu, in ihm rekapitulierte es: Strausberger Platz und wo der in Bitterfeld sein könnte, und dass auf diese Weise der RIAS das Wort „Generalstreik“ umschrieben hatte. Er überholte zwei Männer aus seiner Brigade, die auf der anderen Straßenseite gingen, und sah Biedrich von weitem. Der Strausberger Platz in Bitterfeld war der Platz der Jugend, in Halle der Hallmarkt, in Leipzig der Augustusplatz. Die Berliner Arbeiter würden von ihrem Treffpunkt aus stadtwärts ziehen, zum Haus der SED und zu dem der Regierung. Auf den Gleisen neben der Straße hielt ein Kohlezug, neben der Elektrolok warteten Männer, der Lokführer wahrscheinlich und Streckenarbeiter. Ein zweiter Zug rückte langsam auf, hielt dicht dahinter, drei Mal heulte die Sirene, nach Sekunden ohne Unterbrechung eine halbe Minute lang und brach jaulend ab. Der Lautsprecher an der nächsten Kreuzung blecherte, es sei fünf Uhr fünfundvierzig, die Temperatur werde bis achtundzwanzig Grad steigen. Proteste in aller Welt gegen die Hinrichtung der amerikanischen Friedenskämpfer Ethel und Julius Rosenberg. Bertolt Brecht erklärte, die Rosenbergs seien unschuldig, er wisse das.

Es lag etwas in der Luft – eine verschwommene, verschwiemelte Redewendung, was konnte schon in der Luft liegen außer dem Geruch von nasser Kohle von den Zügen her oder der Dieseldunst und das Geklapper des Lastwagens, der fünfzig Meter vor ihm zum Stehen kam, der schlicht anhielt, warum wollte er das nicht tun aus hundert Gründen. Mach dich nicht verrückt, Alfred hat absolut sachlich von dem berichtet, was Wille-Paul über den Gartenzaun redete, natürlich hat Alfred die meisten Erfahrungen, hat vierzehn und achtzehn und dreiunddreißig überlebt. Vielleicht war Alfreds neuer Hallenser Freund plötzlich in Sorge, musste es sein, der Großkotz.

Er stieg ab, kein Durchkommen mehr. Wie es schien, versperrten Arbeiter der Nachtschicht das Tor, die von der Tagschicht konnten nicht hinein, Brücken sah, dass sie vor den Fahrradständern und dem Haupttor klumpten, einer wollte zu Wort kommen und stieg auf einen Prellstein, dass er mit Kopf und Schultern die anderen überragte. Kollegen, seid doch vernünftig, was hier vorgehen soll, gefährdet den Frieden, ihr müsst bedenken, dass alles in einen dritten Weltkrieg ... Lachen, auch ein Pfiff, unerlebt, unerhört, dass einer es wagte, gegen Funktionärsworte zu pfeifen, zu johlen. Wenn wir nicht alle unsere Kräfte bündeln – dabei strapazierte der Redner seine Stimme bis zum Krächzen.

Brücken schob sein Rad zwischen Menschenklumpen hindurch, schloss es an, drängte sich durch eine Pforte, zeigte seinen Betriebsausweis. Die Nachtschicht sei noch zum großen Teil im Werk, hörte er, vor den Garagen finde eine Versammlung statt. Jetzt ginge es rund, schrie Schupp, und Lennert, das schlesische Großmaul, brüllte, es gehe vielleicht doch eher eckig. Den Schlüssel zu seiner Meisterbude wollte Brücken holen und wusste nicht, ob das heute wichtig war. Aber die Tür der Bereichsverwaltung war geschlossen, niemand, kein Schwein reagierte auf sein Klopfen. Die erhöhten Normen seien doch zurückgenommen worden, redete Meier auf Lennert ein, er verstehe die Aufregung nicht. Das sei gerade das Aufregende, belferte Lennert zurück.

HO macht uns k. o.!

Brücken wollte zu seinen Schlüsseln oder zu irgendeinem, der irgendetwas wusste und ihm erklärte, warum er die Schlüssel nicht brauche. Wo sonst um diese Zeit die Arbeit in Gang kam, war niemand, wo gewöhnlich keiner war, ging alles im Trubel unter. In der Bereichsverwaltung rannten an die zwanzig Männer die Treppe herunter, gefolgt von einer aufgeregten Blondine in flatterndem Kittel, die schrie, natürlich brauche sie die Unterschrift des Leiters, keine Benzinscheine ohne Genehmigung aus der Fahrbereitschaft, sie hielte doch nicht für jeden Idioten den Kopp hin. Was hieß hier „morgen“! Biedrich stand in der Tür und sagte: „Gut, dass du kommst, Hartmut.“

„Du hast mir gerade noch gefehlt.“

„Genau das ist der Ausdruck. Wir fahren nach Rackwitz, paar Leute holen. Wir haben die Autos, aber die Zicke da gibt uns kein Benzin. Kommst du mit?“

Brücken wollte hinterher, da hielt ihn Meier auf: He, Meester! Also was is? Die halbe Brigade... Vor der Tür der Meisterbude wandte sich Lennert sofort an ihn: Eben hätten sie beschlossen, er sollte reden, gut, dass er endlich da sei. Denn jetzt hauten sie ab, machten los wie alle, Meier wollte auf die anderen warten, aber auf ihn hörte keiner. Schupp fasste Brücken am Arm: Jetzt komm, Hartmut, jeder merkt doch, was passiert! Streik, das Kombinat streikt, Bitterfeld streikt, sie ließen sich nicht lumpen. Jetzt ging’s ab, und jetzt ging’s rund!

Chaos, murmelte der alte Bohn, der nie sprach, der selten die Norm erfüllte und dem das keiner übel nahm, denn Bohn hatte vor Verdun einen Kopfschuss abgekriegt und nickte zu jeder Anweisung, und niemand wusste, ob er wenigstens die Hälfte verstand. Chaos, und der alte Bohn spitzte die Lippen, dass es aussah, als pfiffele er, und vielleicht blickte er ein wenig wacher als sonst, oder er hatte sich Jahrzehnte lang verstellt.

Du musst reden beharrte Meier, du kannst das von uns allen am Besten. Aha, und was sollte er sagen? Die Normen runter – aber die Erhöhung war ja zurückgenommen, Grotewohl war selber schuld, an allem Schuld, wieso er aus der SPD? Selber inne Schuld! rief Schupp, so redeten Kinder in Berlin, das fand Schupp lustig und schrie es, bis sich einige vor ihm umdrehten und in sein Lachen einstimmten. Da trieben sie im Strom auf das Haupttor zu, und jemand beharrte, so lange ihr Protest innerhalb des Kombinats ausgetragen werde, sei er legal, Sache der Gewerkschaft. Bloß nicht raus! Aber der das rief, ging selber weiter.

Am Tor stand ein Alter vom Betriebsschutz mit einem Wehrmachtskarabiner an der Schulter an einen Pfeiler gepresst, und jemand mahnte gutmütig: Das ist jetzt nichts für dich, Väterchen! Vor ihnen die Straße, die sie ausfüllten von einem Bürgersteig bis zum anderen, wozu ist die Straße da, zum Demonstrieren. Manche schoben Fahrräder, und Brücken bedauerte, sein Rad zu weit entfernt abgestellt zu haben, mit ihm wäre er jetzt beweglicher. Steil stand die Sonne, er zog die Jacke aus und hängte sie über die Schulter.

Ein Jahr später sah er in einer Illustrierten Fotos von Zügen dieses Ausmaßes aus Halle, Merseburg und Unter den Linden in Berlin, vom Alexanderplatz, einer winkte in die Kamera, über die Augen waren kleine schwarze Balken getuscht. Weit auseinander gezogen marschierten sie, oder wäre es besser zu sagen, spazierten sie voller Heiterkeit und ohne Krampf. Frauen trugen Taschen, denn nach der Arbeit wollten sie sich anstellen für ihre Rationen oder irgendeine Überraschung, Heringe markenfrei etwa, aber inzwischen geschah Unerhörtes. Wer diese ganze Scheiße eingerührt habe, müsse weg, das sei seine Meinung, sagte Meier an Brückens Seite, also Rücktritt der Regierung.

Über die Straße war ein Transparent gespannt, unter ihm war Bücken zwei Mal jeden Tag durchgeradelt und wusste nicht, was auf ihm stand, wahrscheinlich hing es dort seit dem 1. Mai oder jahrelang. Zwanzig Meter vor Brücken flatterte es herunter, Hände fuchtelten und befreiten eingewickelte Köpfe. Lachen. Brücken trat nicht drauf, fand, es sei billig, diesem Plakat einen Fußritt zu versetzen, und wenn zehn Mal Blödsinn drauf stand. Schön: Es lebe der 1. Mai oder Vorwärts zur Freundschaft mit allen Werktätigen, und jetzt war es nur noch ein Fußabstreifer.

Die HO-Preise müssten runter, verlangte Meier, und weiter hinten skandierten sie wieder, der Spitzbart müsse weg. Und: HO macht uns k.o.! Am Rande einer Kreuzung züngelten Flammen, Plakate brannten, Fahnen vielleicht, rote Fahnen, Arbeiterfahnen, das gab Brücken einen Stich, ging ihm gegen den Strich, aber hier galt das Entweder- Oder, allem Abwägen und Dosieren fremd, und Schupp fand, so arte die Sache aber deutlich aus. Brücken hätte jetzt gern seinen Schwiegervater um Rat gefragt, das war ja nun alles andere als eine Debatte über brutale Normen und die Schuldigen dafür.

Aus der Filmfabrik Wolfen seien Tausende auf dem Marsch nach Bitterfeld, rief einer von einem Prellstein herunter, andere stützten ihn. Meier fühlte sich an die Märsche von neunzehnachtzehn erinnert, als Matrosen, die Gewehre mit den Mündungen nach unten, straßenbreit zogen, und Brücken wiegelte ab: Das haste doch bloß ausm Kino. Die Wolfener hätten schon ein Streikkomitee gewählt, machen wir auch, du musst rein, Hartmut! Der Rosa Luxemburg haben wir’s geschworen, dem Karl Liebknecht reichen wir die Hand – am 1. Mai, hatten viele, hatten die meisten neben ihm und vor ihm diesen Text gesungen, jetzt probierten sie, und es klappte und brach sich an den Häusern: Es hat keinen Zweck, der Spitzbart muss weg. Schließt euch an; schließt euch an!

Das muss schief gehen

Als es minutenlang nicht weiterging, sprang die Debatte über ein Streikkomitee wieder auf, das müsse für jeden Betrieb gebildet werden und für die Stadt und den Kreis, und ob jemand wüsste, wie’s in Halle stünde. Hallo! das war Freund Gärtner, nicht mehr gesehen seit der Tanzerei mit abschließerdem Blutsturz, sei doch alles Irrsinn hier, warnte Gärtner an Brückens Ohr, lass dich bloß nicht reinziehen, das muss schief gehen. Brücken und Biedrich ins Streikkomitee, ein Satz, zehnfacher Ruf, fast schon ein Sprechchor. Viel später, am Rhein, überlegte Brücken erfolglos, was hätte geschehen können, wenn Claudia neben ihm gewesen wäre, ob sie gewarnt hätte, oder ob er genau so oder noch rabiater vorgegangen, vorangegangen wäre, um ihr zu beweisen, was für ein Kerl er war. Los, Leute, zum Platz der Jugend, zehntausend aus Bitterfeld und zehntausend aus Wolfen, und weg mit der Kasernierten Polizei und den Sperren an der Grenze zu Westdeutschland und keine Kontrollen mehr an den Übergängen zu West-Berlin, und weg mit der Oder-Neisse-Grenze. Hartmut, du musst reden! Nun mal langsam, Lennert!

Wenn nach fünfundzwanzig Jahren sein Sohn fragte: „Was, Vater, sind die zwei, drei wichtigsten Erlebnisse in deinem Leben, von wo es in eine andere Richtung ging, eine ganz neue?“ Als ich nicht die Hände hob, als die Russen meine MG-Stellung eingeschlossen hatten, die hätten mich umgelegt zu neunundneunzig Prozent, als wir uns mit einem Handgranatenhagel durchschlugen und zwei von uns sechs kamen davon. Und natürlich, als Gärtner auf mich einredete. Der hat es bis zum Werkleiter gebracht. Aber ich hab zu Biedrich gesagt: Schön, ich mache mit, ich rede, wenn du auch redest.

Als erstes: Rücktritt der Regierung, eine Übergangsregierung ... Aber Vater, die Militärregierung musste doch ... Klar musste sie, deswegen haben wir das zweite Telegramm an den Hochkommissar Semjonow geschickt, außerordentlich höflich im Ton. Das meine ich nicht, Vater. Ihr habt doch gedacht, dass der Amerikaner, dass „der Westen“ eingreifen muss. Das bestimmt, Thomas, und bei den Ungarn drei Jahre später verlief alles noch viel schlimmer. Ich hab auf Biedrich gehört, Thomas, und Biedrich auf mich. Das brachte die ungeheure zweite Wendung in meinem Leben, Streikführer von jetzt auf gleich. Von da an...

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