Kultur : Kurzmeldungen

Silvia Hallensleben

CITYLIGHTS

Über das US-europäische Verhältnis wurde in den letzten Wochen reichlich geredet, wobei feuilletonistische Plappertöne die konkreten Informationen meistens dominierten. Ganz zur rechten Zeit und erfrischend handfest kommt da eine etwas großspurig als Festival bezeichnete Filmreihe daher, die das Land hinterm großen Teich einmal konsequent aus der Innenperspektive besichtigt. America? Heaven or Hell? ist die Veranstaltung betitelt, die rund um den Fourth of July als Rahmenprogramm zu einer Strategie-Konferenz von „American Voices Abroad“ im Kreuzberger Eiszeit-Kino kritische TV-Produktionen US-amerikanischer Provenienz vorstellt. „American Voices Abroad“ ist ein Zusammenschluss von Auslandsamerikanern aus aller Welt, die sich nach dem 11. September in dem erklärten Willen zusammengefunden haben, den „weltweiten Machinationen der jetzigen US-Regierung“ öffentlichen Widerstand entgegenzusetzen. Das Programm beginnt am Donnerstag mit dem Film In Shifting Sands von Scott Ritter, einem Veteranen des ersten Golfkriegs, der später als Chefwaffeninspektor für die UN entscheidend an der Vernichtung des irakischen Waffenpotentials beteiligt war und 1998 den Dienst quittierte, weil er sich dem Druck kriegstreiberischer Machenschaften der US-Regierung nicht mehr gewachsen fühlte. Nähere Informationen unter www.americansineurope.org/festival .

Wie weit entfernt und trotzdem eng verquickt alte und neue Welt sein können, zeigt das Leben des 1888 in Berlin geborenen Künstlers Hans Richter, der als Maler die aktuellen Positionen der damaligen europäischen Avantgarde durchlief, bevor er begann, die Bilder in Bewegung zu setzen und mit Filmen wie Rhythmus 21 (1921) zu einem der Pioniere der abstrakten Filmanimation wurde. 1933 emigrierte Richter und landete nach Zwischenstopps in den Niederlanden, Großbritannien und der Schweiz 1941 in New York, wo er bald Freunde und Gleichgesinnte unter anderen Europa-Flüchtlingen fand. Einer von ihnen war der ex-litauische Filmemacher Jonas Mekas, der auch einige der häufigen Besuche Richters in seinen Tagebuch-Filmen dokumentierte. Jetzt hat Mekas anlässlich einer umfassenden Hans-Richter-Retrospektive im Arsenal diese Richter-Episoden seiner Filme zu einem eigenen kleinen Film zusammengeschnitten, der im Eröffnungs-Programm der Reihe am Donnerstag mit einigen Filmen von Hans Richter seine Uraufführung findet. Mehr zum Programm unter www.fdk-berlin.de .

Den Blick von außen auf ein fremdes Land richtet der britische Filmregisseur Chris Wright mit einem ungewöhnlichen Dokumentarfilm über die Ex-DDR. Wright ist Filmstudent an der HFF in Potsdam und hat mit seinem Stefan Kolbe einen echten Ossi als Co-Regisseur. Technik des Glücks begibt sich nach Zschornewitz, wo noch vor kurzem eines der bedeutensten Kraftwerke der DDR seine Schornsteine in den Himmel reckte. Doch neben der Produktion von Strom wurde hier auch die Kultur großgeschrieben, mit Zirkeln schreibender Arbeiter und Amateurfilmclubs, wobei es der weibliche Teil der Beschäftigten offensichtlich meist nur aufs Zelluloid und nicht hinter die Kamera schaffte. Der Film schneidet die Produkte von damals bis heute zu einer bunten, vielschichtigen Kompilation zusammen. Freitag und Montag im Babylon-Mitte, ab 10. Juli in der Brotfabrik.

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