Kultur : Kurzmeldungen

Silvia Hallensleben

CITY LIGHS

Dass Bollywood die neckisch-familiäre Betitelung der in Bombay angesiedelten indischen Filmindustrie ist, weiß inzwischen wohl auch der nicht multikulturell gebildete Durchschnitts-Cineast. Dass es kein Druckfehler ist, wenn hier vom Kollywood-Kino die Rede ist, muss dagegen wohl ausdrücklich betont werden. Das Örtchen Kodambakkam in der Nähe des südindischen Madras ist das Zentrum der tamilischen Filmindustrie, die – wie auch andere regionale Filmzentren – dem großen Bruder im Norden mit härterer Action und grellerer Komik erfolgreich Konkurrenz macht. Dabei gibt es durchaus ein Crossover zwischen den einzelnen Regionen. So ist die Komödie Muthu (von K.S. Ravikumar, 1996) das tamilische Remake eines keralischen Filmhits, auch wenn es etwas überzogen klingen mag, bei den stereotypen Mustern der Liebeshändel überhaupt von Original und Nachahmung zu sprechen. Die derb gestrickte Burleske, deren Landarbeiteridyllen aus einer sowjetischen Kolchosen-Oper abgekupfert sein könnten, war so erfolgreich, dass sie sogar in einer synchronisierten Version nach Japan exportiert wurde. In der englisch untertitelten Fassung läuft „Muthu“ am heutigen Donnerstag im Arsenal im Rahmen einer hochsommerlichen Reihe mit Kollywood-Filmen.

Die Widerstandsgruppe Rote Kapelle ist erst Ende der Siebzigerjahre dank Peter Weiss „Die Ästhetik des Widerstands“ in das historische Bewusstsein der Bundesrepublik gelangt. Die Bezeichnung für die lose verbundene Gruppe von aktiven Regimegegnern, die „in der braunen Brühe nicht leben konnten“ (so der Sohn eines Überlebenden) hatten sich die Nazis ausgedacht, um ihre Widersacher als bolschewistische Befehlsempfänger zu diffamieren. Ein wirkungsvolles Manöver: Bis heute wird das Bild vom deutschen Widerstand vom Attentat des 20. Juli monopolisiert. Diese Geschichtsklitterung wird gründlich richtig gestellt in einer Dokumentation, die im Juni im ZDF zu sehen war und jetzt im Arsenal präsentiert wird. Autor des Films und des in diesem Jahr im Ullstein-Verlag erschienenen gleichnamigen Buchs ist Stefan Roloff, der Sohn des Pianisten Helmut Roloff, der als einer der wenigen der Gruppe den Prozess 1942 überlebte. Neunundvierzig der Männer und Frauen wurden damals hingerichtet. „Die Rote Kapelle“ wird am Sonntag in Anwesenheit von Stefan Roloff im Arsenal gezeigt. Ein Beitrag zum Jahrestag des 20. Juli 1944.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben