Kultur : Kurzmeldungen

Frank Noack

CITY LIGTHS

Dass Michael Verhoeven anlässlich seines 65. Geburtstags (Tagesspiegel vom 13. Juli) nun mit Aufsätzen, Interviews und Filmreihen geehrt wird, ist im Hinblick auf engagierte Arbeiten wie „o.k.“, „Die weiße Rose“ und „Das schreckliche Mädchen“ wahrlich verdient. Schade nur, dass der Schauspieler Verhoeven daneben in Vergessenheit geraten ist. Seit seinem Debüt 1954 gehörte er zu den vielversprechenden Nachwuchsdarstellern im westdeutschen Kino. Wiederholt bildete der verträumte Junge mit Halbstarken wie Horst Buchholz oder Klaus Löwitsch ein Gegensatzpaar. Ein konformistischer Langweiler ist Verhoeven allerdings nie gewesen, eher ein sanfter Rebell. Er sehnte sich nach gesellschaftlichen Veränderungen, aber sein Engagement war immer frei von Fanatismus. Das Arsenal präsentiert den Nachwuchsdarsteller Michael Verhoeven in Julien Duviviers französisch-deutscher Co-Produktion Marianne, meine Jugendliebe (1955), in der er und Horst Buchholz als verwöhnte Internatsschüler zu sehen sind. Anders als der Titel suggeriert, handelt es sich nicht um eine kitschige Teenie-Love-Story, sondern um einen Vorläufer von Peter Weirs „Club der toten Dichter“ mit Märchenelementen, in dem Rehe eine unerwartet grausame Rolle spielen. Für die Spezialeffekte zeichnete der legendäre Eugen Schüfftan verantwortlich. (Freitag)

Liebhaber des Bizarren werden auch bei Fernando Arrabals Ich werde laufen wie ein verrücktes Pferd (1973) auf ihre Kosten kommen. Der spanische Schriftsteller inszenierte mit französischem Geld die Geschichte eines Mannes, der seine Mutter tötet, von der Pariser Polizei erschossen und von einem afrikanischen Freund verspeist wird. Unterlegt ist das alles mit Musik von Händel, Berlioz und Bach. Angeblich als Plädoyer gegen die Umweltverschmutzung gedacht, funktioniert Arrabals Werk heute als erstklassiger Trip ohne Drogen und ist ein Beweis dafür, dass die köstlichsten Trashfilme aus seriösen Absichten heraus entstehen. (Heute bis Mittwoch im Brotfabrik-Kino)

Bei Arrabal kann man ruhig die Handlung verraten, kommt es doch ohnehin nur auf die psychedelischen Bilder an. Dagegen zeichnet sich Neil Jordans The Crying Game (1992) durch derart verblüffende Handlungswendungen aus, dass man beim Formulieren eines Filmtipps höllisch aufpassen muss. Nur so viel sei verraten: Es handelt sich um einen IRA-Thriller. Es gibt eine Entführung, schockierende Todesfälle und Miranda Richardson als eine der bösesten Frauen der Filmgeschichte, deren Tod für Szenenapplaus sorgt. Vor allem aber gibt es ein sexuelles Geheimnis. Selten war ein Oscar für das beste Original-Drehbuch so verdient. (Heute im Freiluftkino Hasenheide)

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