Kultur : Kurzmeldungen

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HÖRTEST

POP

Wenn man bedenkt, wie genial Prince sein kann, ist sein neuester Wurf „N.E.W.S“ (NPG/MP Media) eine Blamage. Die vier den Himmelsrichtungen (North, East, West, South) zugeordneten Songs sind Ergebnis mäandernder JamSessions, bei denen die exzellente Band sich langatmigen Improvisationen hingibt. Prince’ Gespür für eine unvergessliche Melodie, ein unwiderstehliches Riff blitzt manchmal auf, wie er es auf der „One Nite Alone“-CD demonstriert hatte. Das hätte auch diesmal saftige P-Funk-Nummern hervorbringen können. Aber den notorisch unterbeschäftigten Abtrünnigen des Pop drängte es offenbar schon wieder woanders hin. KM

SCHLAGER

„Mit der letzten Straßenbahn ging die Reise durch die dunkle Nacht / Und mein Herz hat wehgetan“, sang Ilse Werner 1943 seufzend zu sparsamer Klavierbegleitung. „Nie mehr fahren wir zu zweit ins Glück hinein.“ Zwischen den Zeilen erzählte ihre Wehmutsballade auch von der Angst in den Zeiten des Krieges, wo jedes Rendezvous das letzte sein kann. Der Sampler „Ja und Nein“ (Pumpkin Pie, www.ppr-berlin.de ) versammelt zwei Dutzend Schellack-Chansons aus den Jahren 1934 bis 43: Erstaunlich mondäne Swing- und Foxtrottschlager von Viktor de Kowa, Hilde Körber oder der Leander. Und Kirsten Heiberg zeigt sich auf dem Cover sogar als fatale Frau mit Zigarette. chs

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