Kultur : Kurzmeldungen

Frank Noack

CITY LIGHTS

Durch Margarethe von Trottas „Rosenstraße“ ist an ein Thema erinnert worden, dem bislang wenig Beachtung geschenkt wurde – das Thema der so genannten „Mischehe“ im Nationalsozialismus. Es gibt TV-Bearbeitungen von Ralph Giordanos autobiographischem Roman „Die Bertinis“ und den Tagebüchern von Victor Klemperer, aber der Klassiker zum Thema ist Kurt Maetzigs Ehe im Schatten (1947). Kaum verschlüsselt wurde darin die Tragödie des Schauspielers Joachim Gottschalk erzählt, der 1941 mit Frau und Sohn in den Tod ging, weil deren Deportation bevorstand. Das stille Melodram, einst ein großer Erfolg in allen Besatzungszonen, läuft am Sonntag im Arsenal, das sich für eine ganze Woche auf Trümmerfilme eingestellt hat. Heute wird Gerhard Lamprechts Irgendwo in Berlin (1946) gezeigt, der das Leben in den Trümmern aus der Kinderperspektive erzählt. Am Freitag folgt Helmut Käutners Episodenfilm In jenen Tagen (1947), der die wechselvollen Erlebnisse eines Autos von 1933 bis 1945 schildert. Die Schauspielerin Ida Ehre, die die Deportation ihrer Mutter mit ansehen musste, während sie selbst durch ihren „arischen“ Ehemann geschützt blieb, brachte als Intendantin der Hamburger Kammerspiele Wolfgang Borcherts Heimkehrerdrama „Draußen vor der Tür“ heraus, das Wolfgang Liebeneiner 1949 unter dem Titel Liebe 47 verfilmte. Sehenswert ist dieser aufwendige Flop gerade wegen seiner Abweichungen von der Bühnenvorlage. Liebeneiner (ein NS-Karrierist, der jedoch den Mut aufbrachte, zur Beerdigung von Joachim Gottschalk zu erscheinen) bot statt plattem Realismus einen Ausflug ins Phantastische. (Montag)

Gab es für die nicht emigrierten Nazi-Gegner Möglichkeiten, das Regime zu bekämpfen? Mit einer gehörigen Portion Naivität behauptete das der sowjetische Film Der Kampf geht weiter (1939) von Wassili Shurawljow. (Dienstag im Filmmuseum Potsdam). Aus der Sicht der in Deutschland verbliebenen Kommunisten sah die Situation nicht so rosig aus. Die Situation dieser Gruppe schildert Karl Hans Bergmann, Insasse der Konzentrationslager Dachau und Sachsenhausen, in seiner Autobiografie „Der Schlaf vor dem Erwachen“, die jetzt von der Defa-Stiftung herausgebracht wurde. Bergmann hat die ersten Jahre der Defa und die Entstehung von „Ehe im Schatten“ miterlebt. (469 S., 12,50 Euro).

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