Kultur : Kurzmeldungen

Silvia Hallensleben

CITY LIGHTS

Stellen wir uns vor, Markus Wolf käme bei Biermann vorbei, um ihm in ein paar schön gebundenen dicken Bänden seine gesammelten Stasi-Mitschriften auf den Tisch zu legen. Zugegeben, der Vergleich hinkt, denn Luka ist nur ein Major des jugoslawischen Geheimdienstes. Und der lange Zeit von ihm Bespitzelte, ehemals ein illustrer literarischer Dissident, ist in der Post-Milosevic-Gesellschaft Chef eines großen Verlages geworden und jetzt im Clinch mit dem Personal, weil der Betrieb privatisiert werden soll. Die serbische Politgroteske The Professional/Profesionalac wirft den Blick aus der schmucken Büroetage mit den in Öl gepinselten Winterlandschaften zurück in Schlüsselszenen der Vergangenheit. Immer dabei: Spitzel Luka in immer wechselnden fantasievollen Verkleidungen als Schaffner, Zeitungsbote oder Arzt. Vor fast zehn Jahren hatte Regisseur Dusan Kovacevic das Buch zu Kusturicas „Underground“ geschrieben. Und auch „Profesionalac“ ist ein Film echt serbischer Art mit krachendem Humor, triefendem Sentiment, reichlich Alkohol und schrammelnden Gitarren (zu sehen am Mittwoch im Babylon, im Rahmen einer kleinen serbischen Filmreihe, die dort noch bis Freitag läuft).

Eine eigenartige Städtepartnerschaft beschreibt der Dokumentarfilm Mirabella/Sindelfingen von Andreas Pichler. Denn in dem schwäbischen Daimler-Standort lebt seit den ersten großen Anwerbungswellen von Gastarbeitern eine stattliche Gemeinde italienischer Einwanderer, die fast alle aus dem sizilianischen Städtchen Mirabella kamen. Umgekehrt ausgedrückt: Mehr als die Hälfte der 10000 Mirabellesen lebt mittlerweile in der neuen Heimat. Die Familien haben hier Wurzeln geschlagen, Rückkehrversuche schlugen meist fehl. Trotzdem sind die Verbindungen zur alten Heimat immer noch eng: So werden Lebensmittel und andere Alltagswaren mit dem LKW aus Sizilien herangeschafft, und ein eigener Busdienst verbindet die beiden Städte mehrfach wöchentlich (Regisseur Andreas Pichler ist zur Vorführung am Sonnabend im Arsenal zu Gast).

Ebenfalls im Arsenal werden an zwei Tagen die Projekte vorgestellt, die vom sogenannten Künstlerinnenprogramm des Kultursenats gefördert worden sind. Interdisziplinäre Medienkunstprojekte von Frauen und experimentelle Einzelkämpferinnen haben in Berlin nur hier eine reelle Chance auf Unterstützung. Damit deren Schaffen nicht im Verborgenen blüht, werden die aktuellen Arbeiten regelmäßig vorgestellt. Naturgemäß sind dabei von ersten Arbeitsproben bis zum kompletten Endprodukt alle Stadien der Fertigstellung vorhanden – und das Programm entsprechend offen und vielgestaltig. Wer also einmal weibliches Filmschaffen jenseits von Fernsehen und „Rosenstraße“ live kennen lernen möchte, sollte sich Sonnabend und Sonntag ab zwölf Uhr mittags ins Arsenal begeben.

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